Nordrhein-Westfalen

Verdi: Warnstreiks an Unikliniken

, Uhr aktualisiert am 13.01.2026 09:59 Uhr
Köln/Düsseldorf/Essen/Bonn/Berlin -

In Nordrhein-Westfalen haben an vier Unikliniken Warnstreiks begonnen, die den normalen Krankenhausbetrieb deutlich einschränken dürften. Ein Verdi-Sprecher sagte, an der Düsseldorfer Uniklinik hätten am Vormittag 350 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Sie schlossen sich einem Demonstrationszug an, der über das Klinikgelände ging. „Wir wollen die Kolleginnen und Kollegen an allen Klinikgebäuden mobilisieren und uns lautstark Gehör verschaffen“, so der Verdi-Sprecher. An den Unikliniken Essen, Bonn und Köln begannen ebenfalls Warnstreiks.

Nach Schätzung von Verdi mussten viele geplante Operationen abgesagt werden. Die Streikbereitschaft sei groß, hieß es von der Gewerkschaft. Im Frühdienst der Kölner Klinik legten zunächst circa 200 Mitarbeitende die Arbeit nieder. Sie wollten ihrem Unmut bei einer Kundgebung Luft machen.

In Bonn waren es zunächst 35, im Laufe des Tages sollte diese Zahl inklusive Spätdienst und Nachtdienst auf bis zu 150 steigen. Für Essen vermeldete Verdi 190 Warnstreikende im Frühdienst. „Die Stimmung ist gut und die Kolleginnen und Kollegen sind kämpferisch“, sagte eine Verdi-Sprecherin.

Es geht um Pflegerinnen und Pfleger, Labormitarbeiter, Verwaltungsmitarbeiter, Serviceassistenten und andere Beschäftigte. Um Ärzte geht es nicht, da deren Bezahlung über einen Tarifvertrag der Ärztegewerkschaft Marburger Bund geregelt ist.

Notdienstvereinbarung steht

Dringliche Fälle werden trotz des Warnstreiks versorgt, dies regelt eine Notdienstvereinbarung. Daher konnten auch nicht alle streikbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Arbeitsausstand treten. Das merkte man besonders bei den Pflegerinnen und Pflegern: Dort sei die Personalnot generell so groß, dass viele Pflegekräfte auch beim Warnstreik hätten arbeiten müssen, um den Notdienst aufrechterhalten zu können, hieß es von Verdi. Das sei eigentlich eine Einschränkung des Streikrechts.

Die konkreten Folgen des Warnstreiks für den Uniklinik-Betrieb waren zunächst unklar. In Köln waren laut Verdi nur ein Drittel der OP-Säle besetzt. Theoretisch könnte die Zahl der Operationen also um zwei Drittel sinken. Tatsächlich werde die Zahl aber wohl nur etwa um die Hälfte sinken, schätzte der Kölner Verdi-Sprecher.

Verhandlungsrunde in Potsdam

Mit den Warnstreiks möchte Verdi in den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder den Druck erhöhen. Die zweite Verhandlungsrunde ist am 15. und 16. Januar in Potsdam angesetzt. Für die 925.000 Tarifbeschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder fordert Verdi 7 Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 300 Euro monatlich zur Stärkung der unteren Lohngruppen. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) lehnte dies bisher als unbezahlbar ab.

Der Bonner Verdi-Sprecher äußerte Kritik Haltung der Arbeitgeber. „Die Beschäftigten haben kein Verständnis, dass arbeitgeberseitig noch kein Tarifangebot vorgelegt wurde – daher stehen sie auch bei schlechtem Wetter frühmorgens hier und bekunden ihren Unmut.“

Streik auch in Berlin

Auch Teile des Pflegepersonals und andere Beschäftigte an den vier Berliner DRK Kliniken sind am Morgen in einen Streik getreten. Der Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi für Dienstag und Mittwoch richtete sich an das gesamte Personal außer den Ärzten, insgesamt rund 2500 Beschäftige, darunter auch Therapeutinnen und Handwerker. Wie viele sich tatsächlich beteiligten, stehe bisher nicht fest, sagte eine Verdi-Sprecherin am Morgen. Verdi fordert Gehaltserhöhungen von 5 Prozent im Jahr 2026 und weitere 5 Prozent im Jahr 2027.

Die Kliniken des DRK (Deutsches Rotes Kreuz) reichten gegen den Streik eine einstweilige Verfügung beim Arbeitsgericht ein, über die später am Tag verhandelt werden soll. Aus Sicht des Unternehmens gefährdet die von Verdi vorgeschlagene Notdienstvereinbarung die Versorgung der Patienten. Sie beschränke sich im Wesentlichen auf die Behandlung von lebensbedrohlichen Notfällen, so die Kritik.

Verdi betonte hingegen, mit derselben Notdienstverordnung sei schon vor zwei Jahren gestreikt worden und es habe keine Probleme gegeben. Alle planbaren und ambulanten Fälle müssten aus Sicht von Verdi ausfallen und verschoben werden. Dringende Notfälle würden versorgt. Die Tarifverhandlungen zwischen Verdi und den DRK-Kliniken laufen seit Juli 2025, Ende Dezember 2025 endete die Friedenspflicht. Die DRK Kliniken Berlin betreiben vier Krankenhäuser, ein Hospiz und eine stationäre Pflegeeinrichtung.

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