Bundespräsidentschaft

Schwan stolpert über Ratiopharm-Anfrage

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Die Kandidatin der SPD für den Posten als Bundespräsidentin, Professor Dr. Gesine Schwan, muss derzeit im Gerangel um die Kandidatur schwere Vorwürfe einstecken. Nach einem Bericht der Wirtschaftswoche steht Schwan wegen eines Briefwechsels mit dem Ulmer Generikakonzern Ratiopharm unter Druck.

Schwan habe dem Konzern in einem Schreiben vom 20. Juni 2007 angeboten, gemeinsam mit ihrem Ehemann Peter Eigen, seinerseits Beirat im Antikorruptionsverein Transparency International, bei Ratiopharm eine ethisch korrekte Unternehmenskultur zu installieren, heißt es in dem Bericht. Die Wirtschaftswoche zitiert aus dem Brief, der auf dem Papier der Europa-Universität Viadrina verfasst worden sein soll: „Wir könnten Sie dabei unterstützen, saubere Mitstreiter zu finden und ein System der good governance und eines öffentlich transparenten 'Code of Conduct' zu stärken, das Ihnen eine uneingeschränkte Glaubwürdigkeit verschafft, die sie jetzt nicht haben.“

Schon im nächsten Satz regte Schwan laut Wirtschaftswoche Ratiopharm gegenüber an, die Humboldt-Viadrina School of Governance (HVSG) in Berlin mit einem „nennenswerten Betrag“ - offenbar mehr als 20.000 Euro - zu unterstützen. Der ehemalige Ratiopharm-Chef Dr. Philipp Daniel Merckle habe das Angebot als „Koppelung“ zwischen Dienstleistung und Spende aufgefasst, schreibt die Wirtschaftswoche weiter. Schwan wies dies als „Fehlinterpretation“ zurück, bestätigte jedoch mittlerweile, dass sie mehrfach Kontakt zu Ratiopharm hatte. Auf Bitten Merckles habe sie zwei Vorträge gehalten. Dabei sei es aber nie darum gegangen, das Image des Konzerns aufzubessern, sondern generell um die Befolgung „klarer ethischer Regeln im Pharmasektor“. Das Vortragshonorar von insgesamt 20.000 Euro habe sie an ihre Universität abgeführt. Zugleich bestätigte Schwan, dass sie bei Ratiopharm um eine Spende gebeten hatte.

Die SPD-Führung will Schwan aller Voraussicht nach als Gegenkandidatin zu Bundespräsident Horst Köhler aufstellen. Die Union warf ihrem Koalitionspartner vor, mit der geplanten Nominierung den Boden für ein Linksbündnis auf Bundesebene vorzubereiten und forderte die SPD auf, mit Schwans Aufstellung zu warten, „bis alle Vorwürfe im Zusammenhang mit ihrer persönlichen Integrität restlos aufgeklärt sind“. Sollte der SPD-Vorstand an diesem Montag Schwan nominieren, wäre eine monatelange Machtprobe um das höchste Staatsamt praktisch gewiss.

Lesen Sie dazu auch: Schwan und die Haniel-Stiftung
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