Corona-Einmaleffekte und Spargesetz

Funke: Die Apotheken sind „ausgepresst“

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Berlin -

Die hessische Apothekerkammer ruft die Mitglieder zu einer Informationskampagne über die tatsächliche finanzielle Situation der Apotheken auf. Die zusätzlichen pandemiebedingten Erträge seien Einmaleffekte. „Betrachtet man nur den Arzneimittel- oder gar den GKV-Umsatz, sehen die Zahlen wesentlich nüchterner aus“, so Präsidentin Ursula Funke im aktuellen Mitteilungsblatt.

„Aus dem Apothekensektor kann kein Tropfen mehr ausgepresst werden“, stellt Funke klar. Das geplante Spargesetz des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) und der erste Referentenentwurf hätte einen Ertragsverlust von 38 Cent pro abgegebener Packung zur Folge. „Jede und jeder von uns kann sich ausrechnen, was das bedeuten würde“, warnt sie.

„Aus dem BMG hört man seither, es werde ein Referentenentwurf in Kürze kommen, der von allen Beteiligten Opfer fordern würde. Im politischen Raum wird man immer häufiger mit der Aussage konfrontiert, die Apotheker wären ja die Gewinner der Pandemie und hätten sehr viel Geld verdient, daher müsse hier reguliert werden“ heißt es weiter. Funke betont: „Ja, wir haben im letzten Jahr zusätzliches Geld verdient: zusätzliches Geld für zusätzliche Arbeit, zusätzliches Engagement, zusätzliche Investitionen.“

„Apotheken lamentieren nicht“

Die Apotheken hätten viel geleistet, damit die Arzneimittelversorgung in der Pandemie durchgängig hervorragend weitergelaufen sei und die Patient:innen sicher und zuverlässig versorgt wurden. Das wüssten alle. „Auch all die zusätzlichen Aufgaben, die wir einfach übernommen haben, ohne groß zu zögern oder zu lamentieren, wir haben gezeigt: Wir machen es und wir können es.“

All diese Tätigkeiten erforderten zusätzliches Personal oder sorgten für viele Überstunden. In der Apotheke kenne man alle diese zusätzlichen Aufgaben und die dadurch entstandenen Kosten – „leider gerät es in der öffentlichen Wahrnehmung schnell in Vergessenheit.“ Funke zufolge, erklärt sie die aktuelle Situation in der Apotheke „jedem Politiker und jedem Journalisten, was manchmal Erstaunen hervorruft, insbesondere wenn ich über die tatsächlichen Zahlen informiere und auch die Verdienstmöglichkeiten der Mitarbeiter in den Apotheken erläutere“.

Die Kammervertreter täten „alles“, um aufzuklären und zu verdeutlichen, dass die Apotheken nicht weniger, sondern mehr Geld im System brauchten, damit das System weiterentwickelt werden könne – auch mit Blick auf den Nachwuchs. „Wir wollen uns pharmazeutisch noch viel stärker einbringen, hierfür brauchen wir die wirtschaftliche Grundlage und müssen gleichzeitig von bürokratischem Unsinn befreit werden, damit wir die Zeit für die Patienten haben.“ Sie animiert Apotheker:innen: „Helfen Sie mit – die Diskussion um die ‚Gewinner‘ der Pandemie wird spätestens mit der Vorlage eines Referentenentwurfs zu einem Spargesetz in aller Munde sein: lassen Sie uns die Realität darstellen, Abgeordnete und Journalisten aufklären und informieren.“

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