Um die gesetzlichen Krankenkassen angesichts massiver Mehrausgaben zu stabilisieren, plant die schwarz-rote Koalition eine umfassende Reform. Am Montag präsentiert eine von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Kommission erste Vorschläge. In einem Liebe Freunde-Brief stimmen die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dagmar Schmidt und der gesundheitspolitische Sprecher Christos Pantazis ihre SPD-Kolleg:innen im Vorfeld auf ihren Kurs ein. Darin stellen sie sechs Kernaspekte vor, mit denen sie Einsparungen erzielen wollen. Unter anderem ist auch von Apotheken die Rede, „die gegen die Politik agitieren“. Von ihnen sollen sich die Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion nicht verunsichern lassen.
„Mit dem Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, eine gute, bedarfsgerechte und bezahlbare medizinische Versorgung für die Menschen im ganzen Land zu sichern“, betonen Schmidt und Pantazis eingehend. „Wir brauchen dringend die notwendigen strukturellen Reformen.“
Zwar werde viel Geld und Arbeit in verschiedene Bereiche des Sozialstaats investiert, aber trotzdem hätten Teile der Bevölkerung das Gefühl, „dass es für sie nicht gut funktioniert“.
„Wir haben das teuerste System der EU“, betonen die SPD-Politiker:innen. Weltweit stehe Deutschland hinter den USA und der Schweiz auf Platz drei. „Und trotzdem gibt es Regionen, die schlecht versorgt sind und selbst bei guter Versorgung hat man oft Probleme, zeitnah einen Termin zu bekommen. Trotz hoher Kosten haben wir eine vergleichsweise niedrige Lebenserwartung. Wir leisten uns zu viele Operationen und häufige Doppeluntersuchungen.“
Warken-Vorgänger Karl Lauterbach habe in der vergangenen Legislaturperiode „viele wichtige Weichenstellungen vorgenommen und Mut bewiesen, den es braucht, um das komplizierte und träge System flott zu machen.“
Dieser Mut müsse nun von der SPD erneut aufgebracht und auch vom Koalitionspartner eingefordert werden. „Ohne unsere starke Hilfe würde am Ende jedoch ein reines Sparpaket zu Lasten der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler stehen, das die Versorgung nicht verbessert. Das können und werden wir nicht zulassen“, schreiben Schmidt und Pantazis.
Am kommenden Montag werde die vom Bundesgesundheitsministerium einberufene GKV-Finanzkommission ihre Vorschläge zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung vorlegen. „Wir haben mit der Union vereinbart, ein Gesamtpaket zu schnüren, dass im Sinne des Koalitionsvertrages die gesetzliche Krankenversicherung strukturell reformiert und damit finanziell stabilisiert.“
Dieser Prozess, hin zu einer tragfähigen Gesamtlösung, werde Zeit in Anspruch nehmen. „Wir werden uns dabei alle einzelnen Vorschläge der Kommission sehr genau ansehen.“ Eine erste Einschätzungen kündigen Schmidt und Pantazis nach den Osterfeiertagen an. Sie mahnen: „Gleichzeitig wird bereits heute über Einzelideen diskutiert. Hieran sollten wir uns nicht beteiligen.“
Schmidt und Pantazis skizzieren sechs „Leitplanken“, die festlegen, „wohin die Reise aus unserer Sicht gehen sollte“:
Abschließend erklären Schmidt und Pantazis: „Mit diesen Leitplanken werden wir in die konstruktiven Gespräche mit der Union eintreten, damit wir flächendeckend eine gute, eine bessere medizinische Versorgung in unserem Land sicherstellen können.“
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