Kommentar

Bahr beschwört die Kettengeister

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Berlin -

Daniel Bahr hat sich gut vorbereitet auf den Apothekertag: Er war in zwei Apotheken (Großstadt und Land!) und hat im Stile eines guten Konterboxers für jeden Angriff eine Antwort im Repertoire: Nur 25 Cent? Besser als nichts! Apothekensterben? Die überflüssige Filialen! Notdienstpauschale? Gemeinwohlaufgabe! Das schönste K.O.-Argument ist aber dieses: Die Apotheken sollten dankbar sein, dass die Regierung ihnen ihre Privilegien erhält.

 

Mehr als jede andere Regierung habe sich Schwarz-Gelb für die Apotheken eingesetzt, findet Bahr. Neben dem Honorarplus habe man nämlich gegen große Widerstände das Fremd- und Mehrbesitzverbot verteidigt. Soso. Gegen wen noch gleich? Biggi Bender, Bert Rürup oder die Monopolkommission? Diese Debatte wurde vor Jahren unter der Großen Koalition beendet, selbst Celesio hat den Zug abfahren lassen.

Bahr beschwört die Kettengeister nur wieder herauf, um die Apotheker gefügig zu machen. Das mag als Taktik billig sein, glaubwürdig ist es nicht: Die Allermeisten in Deutschland sind sich einig, dass die Arzneimittelversorgung in den Händen von selbständigen Freiberuflern besser aufgehoben ist als in den Fängen von börsennotierten Großkonzernen. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) ist auch dieser Ansicht. Bahr auch, hat er zumindest gesagt.

Jetzt ein Schleifchen um das Fremdbesitzverbot zu machen und als Geschenk zum DAT mitzubringen, ist ziemlich peinlich. Nach derselben Logik müssten alle Autofahrer Peter Ramsauer dankbar sein, dass nicht über Nacht auf Linksverkehr umgestellt wird. Und wirklich jeder hört die 25 Cent in Bahrs Hosentasche klimpern.

 

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