Apothekenkooperationen

MVDA: ABDA schwach, Ärzte unkollegial

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Berlin -

Mit Blick auf die Assistentenrolle der Apotheker beim neuen Medikationsplan wirft der Marketing Verein Deutscher Apotheker (MVDA) in einem Rundumschlag der ABDA politische Schwäche vor. „Hier hätte der ABDA etwas mehr Durchsetzungsvermögen durchaus gut zu Gesicht gestanden“, heißt es im aktuellen Präsidentenbrief von MVDA-Präsidentin Gabriela Hame-Fischer und Vizepräsident Dr. Holger Wicht. Und das Verhalten der Ärzten kritisiert der MVDA als „unkollegial“.

Es falle einem schon die Frage ein, warum die Apothekerschaft, die digital weit voraus sei und den so dringend gewünschten Medikationsplan sogar nebst Interaktions-Check auch heute schon nicht nur in Papierform, sondern auch digital anbieten könne, hier ausgebootet wurde, so der MVDA. Die Durchsetzungschwäche der ABDA verwundert den MVDA umso mehr, als die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) noch seit Mitte des Jahres wegen interner Vorgänge „bereits vor der staatlichen Bevormundung und Beaufsichtigung stand“.

Es erscheine den Ärzten auch völlig unerheblich, dass das Ansehen der Selbstverwaltung der Leistungserbringer durch unverantwortliches Handeln einiger ihrer Vertreter in der Politik schweren Schaden genommen hat und immer mehr nimmt. Ungeniert werde weiter Geld gefordert, während die Ärzteschaft gerade an ihren grundlegenden Aufgaben scheitere, die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung flächendeckend zu organisieren.

„Deshalb: Liebe Ärzteschaft, bevor ihr neue Baustellen eröffnet, macht doch erst mal eure Hausaufgaben. Löst bitte eure bestehenden Probleme und versorgt die Patienten mit dem, was ihr und nur ihr könnt: Diagnose und Therapie von Krankheiten. Alles andere können andere, und das auch manchmal besser“, so der Präsidentenbrief.

Seit 1241 – erlassen vom Stauferkaiser Friedrich II. durch das „Edikt von Salerno“ – gelte die gesetzlich fixierte Trennung von Arzt und Apotheker. Beim Thema Medikationsplan scheine dies in Vergessenheit geraten zu sein.

„Wir Apotheker sind, qua Studium und intensiver Aus- und Weiterbildung, die einzigen wirklichen Fachleute rund ums Arzneimittel von der Galenik bis zur Pharmakologie! Und jetzt dürfen wir im Problemfall wieder einmal für unsere Freunde von der Abteilung ‚Diagnose und Therapie‘ die Kastanien aus dem Feuer holen, unentgeltlich – versteht sich“, kritisieren die MVDA-Chefs. Währenddessen kämen die Ärzte „schier vor Lachen nicht in den Schlaf“, weil ihnen ein weiterer Coup auf Kosten der Apotheker gelungen sei.

„Dies ist ein Schlag ins Gesicht für alle Kollegen, die sich tagtäglich für die qualitativ hochwertige und sichere Versorgung des Patienten mit Arzneimitteln einsetzen“, so der MVDA-Präsidentenbrief. Ein Rätsel ist den MVDA-Chefs, warum die Ärzte für den Medikationsplan 163 Millionen Euro Honorar erhalten haben: „Für welche Mehrleistung eigentlich? Einen Plan von der Medikation hatten die Ärzte doch hoffentlich auch vorher.“

Zur gleichen Zeit seien die Apotheker mit 60 Millionen abgespeist worden für eine längst fällige Anpassung des seit Jahren drastisch erhöhten Verwaltungsaufwandes für Rezepturen und BTM- Verwaltung. Darüber hinaus müssten sie noch fürchten, dieses Honorarplus von der Politik wieder auf dem Weg der Hochpreiskappung kassiert zu bekommen, wie einzelne Stimmen forderten.

Auf Kritik des MVDA stößt auch die Ärzte-Forderung, alle Medikationsdaten von den Apothekenrechenzentren zu erhalten. Erst jetzt falle den Ärzten auf, dass jeder Patient eine Stammapotheke, aber immer mehrere Ärzte hat. „Dies gipfelte dann in der absurden Forderung, wir Apotheker hätten unsere Rechenzentren anzuweisen, ihnen – den Ärzten – die gesamten Medikationsdaten aller Patienten digital und natürlich in völliger Ignoranz bundesdeutscher Datenschutzgesetze auch zuordnungsfähig, also nicht anonymisiert in ihr System einzuspielen – bitte natürlich ebenfalls umsonst. Liebe Ärzte: Kollegialität sieht anders aus!“

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