Herstellerrabatt

Apotheken kämpfen um Millionen

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Beim Herstellerrabatt sind die Apotheken seit 2004 Inkassounternehmen der Krankenkassen: Die Pharmafirmen sind verpflichtet, den Apotheken den vorgestreckten Betrag zu erstatten. Doch nicht immer tun sie dies in voller Höhe. Rund 1,4 Millionen Euro haben die Pharmazeuten in den vergangenen Jahren wegen fehlender Zahlungen schon abgeschrieben. Jetzt drohen neue Probleme.

Bei einer Überprüfung der Herstellermeldungen durch den GKV-Spitzenverband sollen bei rund 150 Firmen Unregelmäßigkeiten aufgetreten sein. GKV, Deutscher Apothekerverband (DAV) und Industrie konnten zwar in Verhandlungen die meisten Unklarheiten ausräumen. Doch vor allem bei alten Außenständen tun sich einige Hersteller offenbar schwer, ihren Verpflichtungen nachzukommen.

„Wir fordern die Hersteller auf, umgehend die ausstehenden Zahlungen zu leisten und die Hinhalte-Taktik zu Lasten der Solidargemeinschaft und der Apotheken sofort aufzugeben“, platzte dem DAV-Vorsitzenden Fritz Becker jetzt der Kragen.

Wie aus Apothekerkreisen zu erfahren war, zögern aktuell offenbar die Hersteller Lilly und Berlin-Chemie ausstehende Zahlungen für ihre Humaninsulinprodukte Huminsulin und Berlinsulin hinaus - trotz mehrfacher Zahlungszusage.

In der Vergangenheit gab es offenbar unterschiedliche Auffassungen zur Höhe des zu leistenden Herstellerrabatts: Die Kassen zogen 10 Prozent ein, wie es das Gesetz bei patentfreien, wirkstoffgleichen Arzneimitteln vorschreibt. Da die Hersteller allerdings lediglich die für Originalpräparate festgesetzten 6 Prozent erstatteten, blieben die Apotheker auf den restlichen 4 Prozent sitzen.

Beim GKV-Spitzenverband kann man die Verwirrung um die Zahlungen nicht nachvollziehen. Bereits im August vergangenen Jahres hätten Kassen, Hersteller und DAV einen Leitfaden konsentiert, der die Kriterien für den Abschlag definiert. „Die betroffenen Produkte fallen eindeutig unter den Generikaabschlag“, sagte eine Sprecherin gegenüber APOTHEKE ADHOC.

Dies scheinen nun auch die Firmen akzeptiert zu haben: Lilly hat einer Sprecherin zufolge bereits Anfang des Jahres bestätigt, dass für Huminsulin der Generikaabschlag anfällt. „Wir zahlen 10 Prozent“, sagte die Sprecherin gegenüber APOTHEKE ADHOC.

Berlin-Chemie erstattet eigenen Angaben zufolge den höheren Rabatt seit 1. April dieses Jahres. Man habe eingesehen, dass das Produkt „nicht solitär“ sei, so ein Sprecher. Da die Produkte im Co-Marketing vertrieben werden, wäre eine von Lilly abweichende Auslegung sicher auch schwer vertretbar gewesen.

Bezüglich der Zahlungen, die den Zeitraum vor der Einigung betreffen, gibt es aber offensichtlich noch Gesprächsbedarf: Dem Vernehmen nach soll morgen auf höchster Ebene ein Treffen zwischen DAV und Berlin-Chemie stattfinden. Lilly soll bereits am Freitag Apothekern und Kassen schriftlich die Zahlung der Außenstände zugesichert haben.

Die Apotheker könnte solche Querelen teuer zu stehen kommen: 25 bis 30 Millionen Euro stehen laut DAV alleine in dieser Angelegenheit aus. Über alle Hersteller könnte sogar ein dreistelliger Millionenbetrag zusammenkommen. Der DAV gibt sich kampfbereit und will im Notfall klagen: „Schultern werden wir die Summe auf keinen Fall“, so Becker.

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