Zur Postexpositionsprophylaxe (PEP) von Covid-19 kommt ein neuartiges Arzneimittel auf den Markt: Die EU-Kommission hat die Zulassung für Zokovea (Ensitrelvir) des japanischen Herstellers Shionogi erteilt.
Zokovea ist das erste in der EU zugelassene orale antivirale Arzneimittel zur PEP von Covid-19. Es kann eingesetzt werden bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren. Die Behandlung sollte spätestens drei Tage nach engem Kontakt mit einer mit Sars-CoV-2 infizierten Person begonnen werden. Fünf Tage lang wird jeweils eine Tablette eingenommen: Die Initialdosis beträgt 375 mg, danach werden jeweils 125 mg eingenommen.
Der Wirkstoff Ensitrelvir ist ein Hemmer der Sars-CoV-2 3C-ähnlichen Protease, die das Virus benötigt, um sich zu vermehren.
Die Zulassung stützt sich auf die Ergebnisse der weltweiten Phase-3-Studie SCORPIO-PEP, einer multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie zur Bewertung von Zokovea bei Haushaltskontakten von Personen mit Covid-19. In der Primäranalysepopulation wurde die Behandlung mit Zokovea innerhalb von 72 Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome bei dem an Covid-19 erkrankten Haushaltsmitglied begonnen.
Zokovea senkte das Risiko, bis zu Tag 10 eine symptomatische Covid-19-Erkrankung zu entwickeln, im Vergleich zu Placebo signifikant um 67 Prozent: Innerhalb von zehn Tagen nach Einnahme der ersten Dosis erkrankten 3 Prozent der Probanden in der Verumgruppe, verglichen mit 9 Prozent der Patienten, die Placebo einnahmen.
An der Studie nahmen knapp 2400 Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren teil; es handelt sich um die erste Phase-3-Studie mit einem oralen antiviralen Wirkstoff, die die Wirksamkeit bei der Postexpositionsprophylaxe von Covid-19 nachweisen konnte. Die Studie wurde in Asien während der Phase der Pandemie durchgeführt, in der die Omikron-Variante vorherrschte. Die Ergebnisse dieser Studie wurden in „JAMA Network Open“ veröffentlicht.
Sehr häufige Nebenwirkungen sind hohe Konzentrationen von Triglyceriden im Blut, Kopfschmerzen, Durchfall und Übelkeit. Zokovea darf nicht bei schwangeren Frauen angewendet werden.
Kontraindiziert sind auch Arzneimittel, die der Körper mithilfe des Enzyms CYP3A abbaut, sofern eine hohe Konzentration dieser Arzneimittel schwerwiegende oder lebensbedrohliche Folgen haben könnte. Dazu gehören das Antianginosum Ranolazin, die Antiarrhythmika wie Dronedaron, die PDE-5-Hemmer Avanafil, Tadalafil und Vardenafil, die Sedativa Daridorexant, orales Midazolam und Triazolam, die Antipsychotika Lurasidon, Pimozid, Quetiapin, verschiedene Krebsmedikamente, aber auch Chinidin, Colchicin, Terfenadin und Ticagrelor, Eplerenon, Ivabradin, Dihydroergotamin, Cisaprid, Voclosporin, Simvastatin, Lovastatin, Lomitapid, Finerenon, Cariprazin und Naloxegol.
Aufgrund der langen Halbwertszeit von Ensitrelvir und eines zeitabhängigen Wirkmechanismus kann die enzymhemmende Wirkung auf CYP3A nach der Behandlung mit Ensitrelvir noch ein bis zwei Wochen anhalten.
Arzneimittel, die die Aktivität von CYP3A erhöhen könnten, sind ebenfalls tabu, da sie die Wirksamkeit von Zokovea beeinträchtigen könnten. Dazu gehören Rifampicin, die Krebsmedikamente Apalutamid, Enzalutamid, Mitotan, die Antiepileptika Carbamazepin, Phenytoin sowie Lumacaftor/Ivacaftor und auch Johanniskraut.
Ensitrelvir wurde von Shionogi im Rahmen einer gemeinsamen Forschungsarbeit mit der Universität Hokkaido entwickelt.
In den USA sowie in Japan wird das Präparat unter dem Namen Xocova vertrieben. Im November 2022 erhielt Shionogi im Heimatmarkt eine Notfallzulassung und im März 2024 die vollständige Zulassung. Außerdem wurde im Juni eine ergänzende Zulassung für die Behandlung von Covid-19 bei Kindern im Alter von 6 bis unter 12 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 20 kg erteilt. Hier ist Xocova nicht nur als PEP, sondern auch zur Behandlung von Covid-19 indiziert.
„Die europäische Zulassung eröffnet neue Perspektiven für den Einsatz antiviraler Wirkstoffe im Rahmen der Pandemievorsorge. Shionogi wird die nächsten Schritte mit dem Ziel vorantreiben, diese Innovation künftig für Patientinnen und Patienten zugänglich zu machen. Dabei liegt der Fokus nicht auf einer voreiligen Kommerzialisierung, sondern darauf, wie antivirale Arzneimittel eine umfassende Vorbereitung auf mögliche künftige Pandemien in Deutschland und Europa ergänzen können“, erklärt Gerald Unden, General Manager von Shionogi für die DACH-Region. „Shionogi setzt sich dafür ein, die Entwicklung innovativer Arzneimittel zur Behandlung von Infektionskrankheiten voranzutreiben und die Vorsorge im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu stärken.“
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