Arbeitsplatz spielt Rolle

Vitamin D: Mangel bei Krankenhauspersonal

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Berlin -

Ein Mangel an Vitamin D ist bei Erwachsenen in Deutschland weit verbreitet. Beschäftigte im Krankenhaus könnten einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sein. In einer Studie wurde daher der 25(OH)D-Status von medizinischem Personal mit einer Gruppe von im Freien arbeitenden Beschäftigten verglichen.

Der Frage, ob unter bestimmten Arbeitsbedingungen der Vitamin-D-Spiegel beeinflusst wird, ging eine Erhebung des Universitätsklinikums in Norddeutschland nach. Die Studie „Vitamin D status in medical staff in a German university hospital in comparison to wasteworkers in Northern and its association to quality of life“ untersuchte dazu bei medizinischem Personal sowie bei einer Gruppe von im Freien arbeitenden Müllwerkern den Vitamin-D-Spiegel im Blut.

Risiko bei Schichtarbeitern

„Die endogene Vitamin-D-Synthese macht bis zu 90 Prozent des gesamten Vitamin-D-Spiegels aus und ist stark vom Sonnenlicht, sprich der ultravioletten B-Strahlung und damit von der Jahreszeit und dem Breitengrad abhängig“, so die Forschenden. Es habe sich gezeigt, dass Schicht- und Innenarbeiter ein hohes Risiko haben, einen Vitamin-D-Mangel zu entwickeln.

„So scheint insbesondere das medizinische Personal aufgrund des Arbeitsplatzes, des Arbeitsorts und der Arbeitspläne ein höheres Risiko für Vitamin-D-Mangel zu haben“, erklären die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. „Eine gezielte Beurteilung des Vitamin-D-Status je nach Arbeitsplatz, insbesondere für medizinisches Personal in Nordeuropa, wurde jedoch noch nicht ausreichend untersucht.“

Mangel mindert Lebensqualität

Unbehandelter Vitamin-D-Mangel kann zu einer verminderten Lebensqualität und erhöhten Kosten führen, machen die Forschenden deutlich. Damit verbundene Krankheiten wie Autoimmunerkrankungen oder Gebrechlichkeit werden durch den Mangel verursacht, insbesondere bei Patienten mit Hypovitaminose. „Eine Supplementierung kann sich bei kurzfristiger Anwendung in kranken Bevölkerungsgruppen geringfügig bis mäßig auf die Lebensqualität auswirken.“

Das primäre Ziel der prospektiven Längsschnittstudie war es, den Vitamin-D-Status von Mitarbeitenden in einem Universitätsklinikum in Norddeutschland in Abhängigkeit von ihrem Tätigkeitsfeld zu unterschiedlichen saisonalen Zeitpunkten im Vergleich zu einer Gruppe von ständigen Outworkern zu bestimmen.

Sommer besser als Winter

Messwerte lagen bei 108 Proband:innen für Februar und September vor. Weitere Einschlusskriterien waren das Mindestalter von 18 Jahren. Vitamin D durfte nicht supplementiert werden. Im Februar betrug der mittlere 25(OH)D-Spiegel 40,02 nmol/l. Im September stieg der Mittelwert signifikant auf 68,25 nmol/l an. Im Sommer lagen die durchschnittlichen 25-(OH)-D-Spiegel bei den Krankenhausmitarbeitern zwischen 64,2 nmol/L und 69,0 nmol/L. Mehr als 75 Prozent der Beschäftigten im Krankenhaus hatten ausreichende Spiegel.

Die durchschnittliche 25-(OH)-D-Konzentration bei den Müllwerkern betrug im Sommer 77,9 nmol/L. Von ihnen befanden sich somit alle in einem Bereich, der einer ausreichenden Versorgung entspricht. Nahrungsergänzungsmittel und vorangegangene Reisen waren in dem Monat mit signifikant höheren 25(OH)D-Serumwerten assoziiert.

Im Winter hatten dagegen nur 25 Prozent aller Studienteilnehmenden normale Vitamin D-Level. Auch bei den Outdoor-Beschäftigten zeigte sich im Winter bei einigen von ihnen ein Mangel oder ein unzureichender Wert.

Höchstes Risiko für Operierende

Ein Überblick:

  • Personal im Operationssaal:
    • niedrigste Werte: Diese Gruppe ist am stärksten betroffen (Durchschnitt: 34,6 nmol/L)
    • hohes Risiko: Jeder zweite Mitarbeiter leidet unter schwerem Vitamin-D-Mangel
  • Personal in der Verwaltung:
    • ebenfalls sehr niedrige Werte (Durchschnitt: 40,9 nmol/L)
    • etwa jeder Vierte erreicht eine ausreichende Versorgung
  • Personal in der Intensivpflege:
    • beste Werte im Vergleich, höchste mittlere Konzentration (43,6 nmol/L)
  • Personal in der Abfallwirtschaft:
    • Durchschnitt von 41,7 nmol/L
    • Werte schwanken extrem zwischen sehr niedrig (15,8 nmol/L) und sehr gut (110 nmol/L)

Fazit: „Trotz der Fachkenntnis des medizinischen Personals deuten die Daten auf eine unzureichende Vitamin D-Versorgung bei den meisten medizinischen Mitarbeitern und selbst bei Freiluftarbeitern hin, besonders in den Wintermonaten“, betonen die Forschenden. Neben einer gesunden Sonnenexposition und ausgewogener Ernährung könnten durch den Betriebsarzt koordinierte Aufklärungsmaßnahmen und/oder eine Vitamin-D-Supplementierung geeignete Interventionen sein, um die Versorgung zu optimieren, appellieren die Wissenschaftler:innen.

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