Benzylpenicillin-Benzathin

Streptokokkeninfektion: Versorgungsmangel bei Antibiotikum

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Berlin -

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) reagiert auf einen drohenden Engpass beim Nachschub bestimmter Antibiotika. Es gab im Bundesanzeiger einen Versorgungsmangel bei Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Benzylpenicillin-Benzathin bekannt, die mit Spritzen verabreicht werden. Die Feststellung erlaubt befristet Abweichungen von Zulassungsvorgaben, um ein leichteres Ausweichen auf importierte Produkte zu ermöglichen.

Hintergrund sind aktuelle Informationen, dass die noch vorhandenen Bestände in absehbarer Zeit vollständig aufgebraucht sein werden, wie eine Sprecherin des Ministeriums auf dpa-Anfrage erläuterte. Mit der Bekanntmachung eines Versorgungsmangels könnten nun etwa Präparate aus dem Ausland eingesetzt werden. Damit könne auch nach Abverkauf des Restbestandes die Versorgung gewährleistet werden.

Bereits im vergangenen September war ein Engpass absehbar, die damalige Reichweite des Bestandes wurde vom Zulassungsinhaber bis Anfang 2026 prognostiziert.

Benzylpenicillin-Benzathin – enthalten in Pendysin und Tardocillin (Infectopharm) – gehört zu den Betalactamen und hemmt die bakterielle Zellwandsynthese. Der Wirkstoff wird parenteral verabreicht und ist zugelassen zur Langzeitbehandlung von chronischen Streptokokkeninfektionen wie beispielsweise rheumatischem Fieber als Rezidivprophylaxe, um insbesondere eine rheumatische Karditis zu verhindern.

Außerdem kommt der Wirkstoff zur Behandlung von Frühsyphilis und Syphilis mit einer mehr als einjährigen Infektionsdauer mit Ausnahme der Neurosyphilis bei Kindern, Erwachsenen und Jugendlichen zum Einsatz.

Benzylpenicillin-Benzathin besitzt eine bakterizide Wirkung durch Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese in der Wachstumsphase durch Blockade der Penicillin-bindenden Proteine (PBPs).

Kritische Versorgungslage auch bei anderen Antibiotika

Eine kritischere Liefersituation gibt es bereits bei den Antibiotika-Wirkstoffen Cefuroxim, Clindamycin, Cotrimoxazol und Erythromycin. Das Ministerium hatte dazu ebenfalls einen Versorgungsmangel festgestellt. Solche Fälle sind generell selten. Seit 2015 kam dies nach amtlichen Angaben weniger als 20-mal vor.

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