Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die meist aus Bakterien oder Hefen bestehen. In ausreichender Menge eingenommen sollen sie einen gesundheitlichen Nutzen bringen, indem sie das Gleichgewicht der Darmflora unterstützen. Aber nicht für alle Menschen sind sie uneingeschränkt zu empfehlen. Bestimmten Gruppen können sie regelrecht gefährlich werden.
Als Probiotika werden lebende Mikroorganismen bezeichnet, die einen unterstützenden Effekt auf die Darmgesundheit haben können. Häufig eingesetzte Vertreter sind Lactobacillus rhamnosus oder Lactobacillus acidophilus, sowie Bifidobacterium-Arten. Aber auch Hefen wie Saccharomyces boulardii kommen zum Einsatz, wenn die Darmflora beispielsweise nach Antibiotikabehandlungen wieder aufgebaut werden soll. Enterokokken oder E. coli-Stämme werden oft zur Immunmodulation oder bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt.
Die Wirkung der Probiotika ist abhängig vom Stamm, der Dosis und der Indikation. Auch deshalb sollten die Mikroorganismen nicht pauschal eingesetzt werden. Zwar sind invasive Infektionen unter probiotischer Therapie selten, sie können jedoch klinisch relevant sein. Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem oder Patienten mit ausgeprägter Immunsuppression sowie Patienten mit zentralen Venenkathetern, schweren Grunderkrankungen oder relevanten Schleimhautschädigungen sollten Probiotika nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen. Im Extremfall besteht ein Risiko für Infektionen durch die zugeführten Keime.
Für Saccharomyces boulardii konnten systematische Auswertungen mit dem Titel „Epidemiology of Saccharomyces fungemia: A systematic review“ zeigen, dass vor allem in der intensivmedizinischen Behandlung und bei Patienten mit zentralem Venenkatheter sogenannte Fungämien auftraten. Das heißt konkret, es kam zu einer Systemmykose, die mit einer tödlichen Sepsis enden kann.
Zudem kann es unter Probiotika auch zu bakteriellen Blutstrominfektionen (BSI) kommen. Bei der oft als Bakteriämie bezeichneten Infektion befinden sich Bakterien im Blutkreislauf, die normalerweise vom Immunsystem eliminiert werden. Bei Patienten mit schwerer Komorbidität oder relevanter Immunsuppression kann dies unbehandelt zur tödlichen Sepsis führen.
Patienten mit vorhergesagter schwerer akuter Pankreatitis haben unter der Anwendung von Probiotika eine erhöhte Mortalität gezeigt, wie die Propatria-Studie „Probiotic prophylaxis in predicted severe acute pancreatitis“ belegt. Einige Probanden entwickelten eine Darmischämie mit tödlichem Ausgang, so dass die Forschenden von einer Probiotikaanwendung in dieser Patientengruppe abraten.
Auch das Kurzdarmsyndrom sollte als Risikosituation für die Probiotikaeinnahme betrachtet werden. bei der Einnahme von bestimmten probiotischen Stämmen kann es zur D-Laktatazidose mit neurologischen Symptomen kommen. Das fanden Forschende bei der Studie mit dem Titel „A case of D-lactic acid encephalopathy associated with use of probiotics“ heraus. Anhand der Ergebnisse wird von einer Anwendung von Probiotika in der Patientengruppe abgeraten.
Trotz der genannten Risiken für schwerkranke Patienten bieten Probiotika bei richtiger Anwendung einen klinischen Nutzen. Sie stärken die Darmbarriere und erschweren die Ansiedlung pathogener Keime. Eingesetzt werden die Mikroorganismen zur Verkürzung von infektiösem Durchfall oder zur Vorbeugung von antibiotikaassoziierten Beschwerden.
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