Die langfristige Einnahme von Protonpumpenhemmern (PPI) steht seit längerem im Verdacht, das Risiko für Magenkrebs zu erhöhen. Eine aktuelle Studie aus fünf nordischen Ländern liefert nun Daten von über 17.000 Patient:innen und zeigt: PPI erhöhen das Krebsrisiko nicht. Gleiches gilt für H2-Rezeptor-Agonisten wie Ranitidin oder Famotidin.
Protonenpumpenhemmer (PPI) gehören zu den am häufigsten eingesetzten Medikamenten zur Behandlung von Sodbrennen, Reflux oder Magengeschwüren. In der medizinischen Forschung wird über mögliche langfristige Risiken – darunter ein Zusammenhang mit Magenkrebs – immer wieder diskutiert.
Vor diesem Hintergrund hat ein Forschungsteam jetzt überprüft, ob eine langfristige PPI‑Anwendung mit einem erhöhten Risiko für sogenannten non‑Cardia Magenkrebs – also solchen im unteren Teil des Magens – verbunden ist.
Zur Beantwortung dieser Frage führten die Forschenden eine Fall‑Kontroll‑Studie durch, in der sie Daten aus den nationalen Gesundheitsregistern von Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden nutzten.
Die Analyse umfasste den Zeitraum von 1994 bis 2020. Die Studie basiert auf umfangreichen, länderübergreifenden Registerdaten, die eine Kontrolle bekannter Risikofaktoren ermöglichten.
Für jede Person mit non‑Cardia Magenkrebs wurden zehn Kontrollpersonen nach Alter, Geschlecht, Jahr und Land ausgewählt. Cardia‑Adenokarzinome – bösartige Tumoren direkt unterhalb der Speiseröhre – wurden ausgeschlossen, um Verfälschungen durch Reflux-Erkrankungen zu vermeiden.
Als langfristige PPI‑Nutzung galt die Einnahme über mehr als ein Jahr, wobei die letzten 12 Monate vor Diagnose nicht berücksichtigt wurden. Einflussfaktoren wie vorherige Helicobacter-pylori-Behandlungen, Magengeschwüre, Rauchen, Alkohol, Diabetes, Adipositas sowie die Einnahme bestimmter Medikamente wurden bei der Auswertung berücksichtigt.
Insgesamt wurden 17.232 Patient:innen mit non‑Cardia Magenkrebs und 172.297 Kontrollpersonen analysiert. Langfristige PPI‑Nutzung trat bei 10,2 Prozent der Betroffenen und 9,5 Prozent der Kontrollpersonen auf.
Die Auswertung zeigte keinen erhöhten Anteil von Magenkrebs bei Personen mit langfristiger PPI-Anwendung. Für H2‑Rezeptor‑Antagonisten ergab sich ein ähnliches Bild, ebenfalls ohne Zusammenhang mit Magenkrebs.
Die Studie „Long‑term use of proton pump inhibitors and risk of stomach cancer: population based case‑control study in five Nordic countries“ wurde in Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden durchgeführt und im BMJ veröffentlicht.
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