Die Grippewelle startete in dieser Saison außergewöhnlich früh. „In Deutschland ist der Trend aktuell stark steigend“, erklärt Dr. Markus Kirchner von CSL Seqirus. Umso wichtiger sei die Prävention durch Impfungen, denn „Influenza zählt zu den tödlichsten Infektionskrankheiten“. Dennoch: „Die Impfquote ist gesunken, Deutschland liegt auf einem der letzten Plätze im Vergleich zu anderen Ländern“, so Kirchner. Warum deshalb auch die weiterentwickelten Impfstoffe mehr in den Fokus rücken müssen. Ein Überblick.
Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt seit 2024 die weiterentwickelten Impfstoffe. Heißt, hochdosierte und adjuvantierte sowie zellbasierte Vakzine, die insbesondere Älteren und Vorerkrankten helfen sollen, ohne schwere Influenza-Verläufe durch die Grippesaison zu kommen. Beide Varianten rufen eine breitere Immunantwort hervor als die Standardimpfstoffe.
Dr. Martina Prelog, Kinderärztin und Immunologin in Würzburg erklärt: „Die aktuelle Subklade K stellt uns global vor eine große Herausforderung.“ Das Influenzavirus habe das Potenzial durch das sogenannte Antigenshift, schwere Pandemien hervorzurufen. „Mutationen führen zu veränderten Stämmen und dies wiederum zu Missmatches bei den Impfungen“, so Prelog. Deswegen sei es wichtig, ein breiteres Panel in der Vakzine anzubieten, um die Impfeffektivität zu erhöhen.
So zeigen aktuelle Daten aus Großbritannien, dass die Impfstoffe dieser Saison auch eine Schutzwirkung gegen die Subklade haben. „Das heißt, wir können eine vorsichtige Entwarnung geben. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sehen wir eine Schutzwirkung, die bei etwa 70 Prozent liegt“, so die Expertin. Das liege vor allem auch an den Herstellungsverfahren der Impfstoffe.
„Warum brauchen wir die weiterentwickelten Vakzine also“, fragt Prelog. Die Antwort liege in den Alterungsvorgängen des Immunsystems. „Die Problematik ist, dass mit dem Alter auch die Infektanfälligkeit steigt“, so Prelog. Und damit auch die Mortalität. „Die Impfeffektivität nimmt ab. Wir sehen das anhand der Todesfälle, bei denen acht von zehn bei Menschen über 65 Jahre auftreten.“
Deswegen empfehle die Stiko Menschen ab 60 Jahren den hochdosierten Impfstoff und vorerkrankten Personen ab 50 Jahren einen adjuvantierten Impfstoff. „Beide weiterentwickelten Impfstoffe – zu denen Fluad und Efluelda gehören –, zeigen ein ähnliches Sicherheitsprofil. Eine längere Immunantwort wird bei adjuvantierten Impfstoffen beobachtet“, so Prelog. Das sei im Hinblick auf den frühen Saisonstart der Grippe wichtig. „Die Impfung kann so auch nach Monaten noch wirksam sein.“
Stefan Spieren, Facharzt für Allgemeinmedizin und Allgemeinchirurgie, weist darauf hin, dass die Impfstoffe, die in Säugetierzellen statt Eizellen hergestellt werden, viel passgenauer sind. „Diese Förderung der Passgenauigkeit hängt eng mit dem Herstellungsverfahren zusammen und hat einen klaren Einfluss auf die Schutzwirkung.“ Die zellbasierte Herstellung von Influenza-Impfstoffen ist eine moderne Alternative zur traditionellen Ei-basierten Produktion. „Grippeviren werden in Säugetierzellkulturen vermehrt. Dieser Prozess ermöglicht eine schnellere Skalierung, bessere Übereinstimmung mit zirkulierenden Viren, da es weniger zur sogenannten Ei-Adaptation kommt“, so Spierer.
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