Am Samstag ist Welt-Parkinson-Tag. Im Fokus steht dabei die Prävention der Erkrankung, denn die Zahl der erkrankten Menschen steigt schnell. Nicht nur die Ernährung kann die Entstehung von Parkinson befeuern, auch Diabetes inklusive seiner Vorstufen kann das Risiko erhöhen. „Wir müssen stärker für eine gesunde Ernährung sensibilisieren“, erklärt DGN-Präsidentin Professor Dr. Daniela Berg, vom Universitätsklinikum in Kiel (UKSH). „Diabetes-Prävention ist letztlich auch Parkinson-Prävention.“
Morbus Parkinson ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Eine Auswertung der Krankenkassendaten von 3,7 Millionen Versicherten zeigt, dass allein in Deutschland etwa 400.000 Menschen betroffen sind. Weltweit hat sich die Zahl der Parkinson-Patienten fast verdreifacht. Waren im Jahr 1990 noch 2,5 Millionen Menschen betroffen, stieg die Zahl bis 2016 auf etwa 6,1 Millionen Erkrankte.
Die Diagnose wird meist zwischen dem 55. und dem 60. Lebensjahr gestellt. Bei jedem zehnten Patienten sogar vor dem 40. Lebensjahr. Dabei ist bekannt, dass langjähriger Kontakt mit Pestiziden, Schwermetallen oder Lösungsmitteln als Risikofaktoren gelten. Auslöser kann aber auch die Ernährung sein.
„Studien deuten darauf hin, dass fehlgefaltetes Alpha-Synuclein, ein zentrales Protein in der Parkinson-Pathologie, im Darm entsteht und sich über den Vagusnerv ins Gehirn ausbreitet – ein Mechanismus, der als Hirn-Darm-Achse beschrieben wird. Veränderungen des Darmmikrobioms sowie chronische Verstopfung gelten zudem als mögliche Frühzeichen, oft lange vor dem Auftreten motorischer Symptome“, erklärt die Deutsche Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten (DANK).
Neue wissenschaftliche Ansätze rücken deshalb die Rolle der Darmflora und den Effekt der Ernährung in den Fokus. „Zahlreiche Studien zeigen, dass eine mediterrane Ernährung mit einem geringeren Risiko für Parkinson sowie einer niedrigeren Symptomlast bei bereits Erkrankten einhergeht“, so die DANK. „Sie basiert auf viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Olivenöl und Fisch, während Fleisch sowie stark verarbeitete, zuckerreiche Lebensmittel nur selten auf dem Speiseplan stehen.“
Zugleich schütze die mediterrane Diät auch vor der Entstehung von Diabetes mellitus. „Und das ist zum Welt-Parkinson-Tag durchaus relevant. Denn wie verschiedene Studien zeigten, haben Menschen mit Diabetes mellitus ein höheres Risiko, an Parkinson zu erkranken“, so die DANK. Eine Metaanalyse von 15 Kohortenstudien mit insgesamt 29,9 Millionen Personen sei zu dem Ergebnis gekommen, dass Diabetes mellitus mit einem etwa 27 Prozent höheren relativen Risiko für Parkinson assoziiert ist. „Selbst für Prädiabetes zeigte sich ein kleiner, aber messbarer Risikoanstieg“, erklärt die DANK.
„Auch eine retrospektive Kohortenstudie aus Spanien kam zu dem Ergebnis, dass das Parkinson-Risiko bereits bei Prädiabetes erhöht ist“, erklärt Dr. Eva Schäffer vom UKSH in Kiel, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)-Taskforce Prävention.
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) bestätigt, dass in Deutschland jährlich rund 450.000 Menschen neu an Diabetes erkranken. Aktuell leben etwa 9,3 Millionen mit der Erkrankung. Das Problem: „Bis 2040 könnte die Zahl der Betroffenen auf 12,3 Millionen steigen. Angesichts dieser Entwicklung müssen wir auch das damit einhergehende erhöhte Parkinson-Risiko in den Blick nehmen und stärker für eine gesunde Ernährung sensibilisieren“, so DGN-Präsidentin Professor Dr. Daniela Berg, UKSH Kiel. „Diabetes-Prävention ist letztlich auch Parkinson-Prävention“, stellt sie klar.
Als wesentliche Ursache für die steigende Diabetes-Prävalenz sei die dauerhaft zu hohe Energiezufuhr zu nennen. „Vielen Menschen ist nicht einmal bewusst, wie viel versteckten Zucker und Fette sie täglich aufnehmen – etwa über Fast Food oder Softdrinks. Deshalb unterstützen wir die Initiativen der DANK für mehr Transparenz und eine gesündere Ernährung“, so Berg.
„Nichtübertragbare Krankheiten sind weiterhin auf dem Vormarsch. Mit Appellen an die Eigenverantwortung, Bildungsangeboten und Aufklärung allein können wir diesem drohenden Tsunami nicht begegnen“, betont die DANK. Man brauche eine verantwortungsvolle Präventionspolitik, die mutig und unideologisch Reformen anpacke. „Dazu zählt auch eine nach Zuckergehalt gestaffelte Zuckersteuer nach britischem Vorbild, wie sie die Finanzkommission Gesundheit kürzlich auch empfohlen hat.“
APOTHEKE ADHOC Debatte