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Abnehmspritze: Mehr Frühgeburten, Gewicht und Diabetes

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Berlin -

Immer mehr Frauen nehmen GLP‑1‑Rezeptoragonisten ein, um Gewicht zu reduzieren. Doch was passiert, wenn diese Medikamente vor oder zu Beginn einer Schwangerschaft abgesetzt werden? Forschende haben erstmals systematisch untersucht, wie sich ein Absetzen auf Gewichtszunahme und Schwangerschaftsergebnisse auswirkt.

Immer mehr Frauen im gebährfähigen Alter nehmen GLP‑1‑Rezeptoragonisten (GLP‑1RA) ein. Allerdings ist kaum bekannt, welche Folgen ein Absetzen dieser Medikamente vor oder zu Beginn der Schwangerschaft für Gewichtszunahme und Schwangerschaftsverlauf hat. Forschende des gemeinnützigen Gesundheitssystems Mass General Brigham (Boston) untersuchten deshalb Schwangerschaften von Frauen, die GLP‑1RA vor oder kurz nach Konzeption abgesetzt hatten, und verglichen sie mit Frauen ohne Exposition.

GLP-1 vor der Schwangerschaft absetzen?

Bislang wird seitens Expert:innen geraten, Wirkstoffe wie Semaglutid frühzeitig abzusetzen. In der Zusammenfassung der Produktmerkmale von Ozempic (Semaglutid, Novo Nordisk) heißt es seitens der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) etwa: „Frauen im gebärfähigen Alter wird empfohlen, während der Behandlung mit Semaglutid eine Empfängnisverhütung anzuwenden.“ Das Präparat sollte in der Schwangerschaftsplanung abgesetzt werden; wegen der langen Halbwertszeit bestensfalls „mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft.“

Die leitende Studienautorin Dr. Jacqueline Maya betont: „Der Einsatz von GLP‑1‑Rezeptoragonisten hat stark zugenommen, aber Empfehlungen raten, diese vor der Schwangerschaft abzusetzen, da nicht genügend Informationen über ihre Sicherheit für ungeborene Kinder vorliegen.“ Deshalb wollte ihr Forschungsteam untersuchen, „wie sich ein Absetzen dieser Medikamente auf Gewichtszunahme und Ergebnisse während der Schwangerschaft auswirkt.“

Knapp 150.000 Schwangere getestet

Die Studienpopulation umfasste insgesamt fast 150.000 Einlingsschwangerschaften, die zwischen dem 1. Juni 2016 und dem 31. März 2025 abgeschlossen wurden. Für die Primäranalyse wurden 448 Schwangerschaften mit vorheriger GLP‑1RA‑Verschreibung innerhalb von drei Jahren vor bis 90 Tage nach Konzeption mit 1344 vergleichbaren, ungeexponierten Schwangerschaften gematcht.

Die Ergebnisse zeigten im Durchschnitt eine um 7,2 Pfund (rund 3,3 Kilogramm) höhere Gewichtszunahme bei exponierten Frauen. Zudem war das Risiko für übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft um 32 Prozent höher.

Mehr Diabetes, mehr Frühgeburten

Darüber hinaus zeigte die Analyse ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko für Diabetes in der Schwangerschaft sowie ein um 29 Prozent höheres Risiko für hypertensive Schwangerschaftserkrankungen. Auch das Frühgeburtsrisiko war in der GLP-1-Gruppe um 34 Prozent erhöht. Die Untersuchung ergab hingegen keine Unterschiede beim Risiko für ein zu hohes oder zu niedriges Geburtsgewicht, bei der Geburtslänge oder bei der Häufigkeit von Kaiserschnittentbindungen.

Die Studie „Gestational Weight Gain and Pregnancy Outcomes After GLP-1 Receptor Agonist Discontinuation“ wurde in den USA im Rahmen des Mass General Brigham‑Netzwerks, einem der führenden akademischen Gesundheitssysteme in Massachusetts und Hauptlehrkrankenhaus der Harvard Medical School, durchgeführt und im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht.

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