Mythen statt Evidenz?

Streit um Dokumentarfilm „Eingeimpft“ dpa, 13.09.2018 12:38 Uhr

Berlin - Der Dokumentarfilm „Eingeimpft“ des Berliner Regisseurs David Sieveking ist autobiografisch angelegt: Er zeigt, wie der Filmemacher bei der Geburt seiner ersten Tochter vor der Frage steht, wie sie geimpft werden soll. Doch der – vom Regisseur auch als Beziehungskomödie beschriebene Film – ruft viele Kritiker auf den Plan: Sieveking habe nicht ausreichend recherchiert und fragwürdigen Experten ein Podium geboten, so die Vorwürfe.

Während der Regisseur behauptet, der Film schaffe etwa durch Verweise auf mögliche positive Nebeneffekte mancher Impfstoffe „Begeisterung fürs Impfen“, sieht dies der Chef des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts, Professor Dr. Klaus Cichutek, anders. „Statt einer Hilfestellung beispielsweise für Eltern, die vor der Entscheidung zur Impfung stehen, steht zu befürchten, dass der Film die Verunsicherung steigert oder sogar Ängste erzeugt“, sagt er. „Letztlich verbreitet dieser Film zahlreiche Fehlinformationen und wiederholt Mythen, die wissenschaftlich längst widerlegt sind.“

Dabei kommt Cichutek im Film selbst zu Wort: Er schildert, dass in sehr seltenen Fällen Nebenwirkungen auftreten können, doch dass der Nutzen von Impfungen diese bei weitem überwiege. „Der Professor Doktor hat gut reden“, erklärt Sieveking hierzu im Film. Seine Partnerin hat Angst vor Impfungen und will, dass ihre Tochter „metallfrei bleibt“. Hierbei bezieht sie sich auf Aluminium-basierte Wirkverstärker, die viele heutige Impfstoffe wirksam machen.

Die äußerst geringen Mengen des Metalls sind nach Einschätzung fast aller Wissenschaftler weitestgehend unproblematisch – doch Sieveking macht sich auf die Suche und findet Forscher, die das anders sehen. Er trifft sie auf einem Symposium in Leipzig, das von der impfkritischen Organisation „Children's Medical Safety Research Institute“ (CMSRI) finanziert wurde.

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