Zigarettenindustrie

Staat soll Glimmstengel prüfen

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Der Tabakhersteller Philip Morris hat staatliche Produktstandards für die Zigarettenindustrie gefordert. Die Industrie müsse die Möglichkeit haben, potenziell risikoreduzierte Tabakprodukte einzuführen, sagte Geschäftsführer Jacek Olczak in Berlin. Das Unternehmen arbeite an der Entwicklung solcher Produkte. Er schlug ein Zulassungsverfahren vor. Der Marlboro-Hersteller verlangte eine Verschärfung des Tabakwerbeverbots. Es müsse nicht nur für Zeitungen, Zeitschriften und Internet, sondern auch für Kino- und Plakatwerbung gelten. Olczak forderte, Feinschnitt nicht geringer als Zigaretten zu besteuern. Dies stieß am Donnerstag in der Branche auf Kritik.

Die Reemtsma Cigarettenfabriken lehnte die Forderungen ab. "Eine höhere Besteuerung von Feinschnitt würde den Schmuggel weiter steigen lassen", sagte Reemtsma-Sprecher Lars Großkurth. Die Kunden würden von der preisgünstigen Alternative auf Schmuggelware ausweichen, wenn der Preis steige. Nach dem Wegfall der preisgünstigen Steckzigaretten sei der Schmuggelanteil von 16 auf 24 Prozent gestiegen. Eine stärkere Regulierung lehnte Reemtsma ab. "Die Inhaltsstoffe und Zusammensetzung von Zigaretten sind von staatlicher Seite vorgeschrieben." Tabakwaren würden schon stark reguliert. Mit einem Zulassungsverfahren drohe außerdem mehr Bürokratie.

Philip Morris war im Mai aus dem Verband der Cigarettenindustrie (VdC) ausgetreten, der sich inzwischen aufgelöst hat. "Ein Verband muss die Interessen der Mitglieder widerspiegeln", kritisierte Olczak. Die Auffassungen des Marktführers seien aber andere als die der Wettbewerber. Philip Morris hat nach eigenen Angaben einen Marktanteil von rund 37 Prozent. Sechs andere Hersteller wollen einen neuen Branchenverband gründen. Sie werfen dem deutschen Ableger des US-Konzerns Philip Morris Scheinheiligkeit vor. Der VdC hatte bis vor dem Austritt die Interessen einer Branche mit knapp 9000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 20 Milliarden Euro (2006) vertreten.

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