Randnotiz

Zippert zappt gegen Apotheker

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Berlin -

Das Medienecho auf den Deutschen Apothekertag (DAT) außerhalb der Fachkreise war in diesem Jahr sehr dürftig. Allenfalls mit ihrer vorab vorgestellten Studie zu den mangelhaften Medikationsplänen der Ärzte sind die Apotheker in den Blätterwald durchgedrungen. Heute haben sie es doch noch auf eine Titelseite geschafft – wenn auch nur in die „Welt“-Kolumne „Zippert zappt“.

Seit 1999 schreibt Hans Zippert die Kolumne für „Die Welt“, heute hat der ehemalige Titanic-Chefredakteur und zweifacher Henri-Nannen-Preisträger mal wieder die Apotheker aufs Korn genommen, beziehungsweise ihren DAT-Antrag zu Cannabis. Direkt neben Angela Merkel als Aufmacherbild.

In Düsseldorf hatten die Apotheker beschlossen, dass Fertigarzneimittel und Standardrezepturen den Cannabisblüten in ihrer natürlichen Form vorgezogen werden sollten. Joints als Standardtherapeutikum erteilten die Apotheker unter der inhaltlichen Führung von Professor Dr. Theo Dingermann ab. Die Debatte polarisierte, war aber fachlich.

Zwei Wochen später hat Zippert Wind von dem Antrag bekommen: „Früher hat man erst das Zeug genommen und danach wirr geredet. Aber die deutschen Apotheker haben erst geredet, dann wahrscheinlich was genommen und dann Forderungen gestellt“, so sein Fazit.

Cannabis mit pharmazeutischer Qualität aus der Apotheke heißt für den Welt-Kolumnisten riesige Gewinnspannen, Mittel in Pillen-, Kapsel-, Dragee-, Pulver- oder Tropfenform sowie „ein drei Meter langer Beipackzettel, auf dem steht, dass die Einnahme von Cannabis zum Kauf von Musik von Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, Doors und 500 weiteren Gruppen führen kann“. Und, dass durch Cannabiskonsum die Fähigkeit zum aggressiven Fahren stark eingeschränkt werde.

Die zweite Forderung laute, dass es den Stoff nur auf Rezept und nur in der Apotheke gibt, „denn nur in der Apotheke kann man auch Apothekerpreise verlangen“. Damit wäre dieses Klischee auch verwurstet. War noch Platz für den vielleicht bekanntesten Werbespruch der Branche: „Und wenn einer fragt, ob es da nicht was von Ratiopharm gibt, bekommt er Ladenverbot.“

Immerhin tröstlich für die Apotheker: Wenn sie beim DAT schon von Politik und Öffentlichkeit vernachlässigt wurden, kümmert sich wenigstens eine prominente Spottdrossel um sie. Wobei Zippert schon schöner gezappt hat.

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