EZB-Proteste

Blockupy: Wasserwerfer vor der Apotheke

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Berlin -

Frankfurt am Main im Ausnahmezustand: Zur offiziellen Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank (EZB) kam es seit heute morgen im Zuge von Protesten zu schweren Ausschreitungen im Bankenviertel. Zwischen Barrikaden, brennenden Autos und fliegenden Steinen versorgten Apotheken ihre Kunden durch das Notdienstfenster.

Am Vormittag hat die EZB ihre neue Zentrale mit einem Festakt offiziell eröffnet. Vor dem weiträumig abgesperrten Gelände hatte eine Mahnwache von Kapitalismusgegnern zunächst ruhig begonnen. Dann war es zu regelrechten Straßenschlachten zwischen Blockupy-Aktivisten und Polizei gekommen.

Die Ostend-Apotheke liegt mitten im Sperrgebiet; zwei Stunden lang konnte sie die Kunden nur durch das Notdienstfenster bedienen. „Hier ist alles gesperrt, die Straße war voll von Demonstranten. Als es ganz schlimm war, haben wir die Türen geschlossen“, sagt eine Mitarbeiterin. Mülltonnen seien umgeworfen, Polizeiwagen angezündet, Schaufenster eingeschlagen und Feuerwerkskörper gezündet worden. Mittlerweile seien die meisten Demonstranten aber weitergezogen.

Kunden seien nur vereinzelt gekommen, Verletzte musste die Apotheke nicht versorgen. „Die Leute wollten eher zur Toilette“, sagt die Mitarbeiterin, „ein paar haben wir gelassen“.

Verzögerungen gab es vor allem bei Lieferungen. Ein Großhändler hatte dies bereits per Fax angekündigt. In der Apotheke am Zoo in der Hanauer Landstraße hat ein Großhändler die Tour abgesagt, man versuche die nächstmögliche Tour zu schaffen. „Wir haben zum Glück keine dringenden Fälle, es ist viel ruhiger als sonst, die Versorgung ist also gewährleistet“, sagt eine Mitarbeiterin.

Die Apotheke liege eine Querstraße von den Ausschreitungen entfernt. „Aber hier ist auch genug los“, sagt eine Angestellte. Zur Sicherheit hätten sie die Gitter unten gelassen. Die Inhaberin habe es den Mitarbeitern überlassen, ob sie arbeiten wollten. „Wenn jemand Angst hat, darf er zu Hause bleiben.“

Heute morgen sei eine junge Frau gekommen und habe ein Kühlpack gebraucht, ein Polizist habe ihr die Nase gebrochen. Kunden hätten erzählt, wie ein Mann aus seinem Mercedes gezerrt und ein Molotow-Cocktail hineingeworfen worden sei. In einer freien Werkstatt seien die Reifen angezündet worden, habe ein anderer Kunde erzählt. „Das ist ein Anschlag gegen Frankfurt, nicht gegen die EZB“, habe eine andere Kundin gesagt.

Derzeit würden sich erneut Polizisten formieren, Wasserwerfer würden jetzt direkt vor der Apotheke aufgestellt. Die nächsten Demonstranten werden erwartet. „Wenn es jetzt losgeht, kommt sowieso kein Kunde mehr. Es ist ein komisches, ein ungutes Gefühl. Wir sind keine Generation, die Krieg mitgemacht hat. Jetzt kreisen plötzlich überall Hubschrauber, überall sind Polizei- und Feuerwehrwagen. Den Großteil haben wir hoffentlich hinter uns“, sagte die Inhaberin der Apotheke am Zoo. Im Laufe des Tages werden Tausende weitere Demonstranten erwartet.

Nach den ersten Bränden war die Polizei massiv gegen die Demonstranten vorgegangen. Rund 90 Polizisten und Dutzende Demonstranten sind laut Medienberichten verletzt worden. Fünf Demonstranten seien festgenommen worden, rund 350 Aktivisten kurzfristig festgesetzt. Schüler wurden nach Hause geschickt.

Das Blockupy-Bündnis erwartet für heute mindestens 10.000 Demonstranten. Am Mittag startete eine Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Richtung EZB. Um 14 Uhr begann eine Kundgebung auf dem Römerberg, die drei Stunden dauern soll. Von hier zieht ab 17 Uhr eine Demonstration durch die Innenstadt zum Opernplatz. Dort endet schließlich das offizielle Blockupy-Programm. In der gesamten Stadt kommt es Medienberichten zufolge zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, auch im Nahverkehr.

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