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Fairtrade für Kittel und Polo-Shirt

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Berlin -

Fairtrade steht für viele Apotheker:innen und PTA vielleicht zunächst in keinem Zusammenhang mit der Apotheke, dabei kann auch das Apothekenteam auf gerechte Löhne und gute Arbeitsbedingungen achten – beispielsweise bei der Berufsbekleidung. Ob nun der klassische Kittel oder das farblich zum Apotheken-Logo passende Polo-Shirt – zahlreiche Anbieter haben fair produzierte Kleidung in ihrem Sortiment.

Während immer mehr Menschen auf die Herkunft ihrer privaten Kleidungsstücke achten, wird die Berufsbekleidung eher stiefmütterlich behandelt. Dabei bieten mittlerweile mehrere Unternehmen faire Shirts, Hosen & Co. an. Apotheken, die sowieso über die Neuanschaffung der Berufsbekleidung nachdenken, sollten sich über Fairtrade-Angebote informieren. Da Kittel & Co. generell immer mal wieder nachbestellt werden müssen, lohnt sich auch die Nachfrage beim bisherigen Lieferanten. Denn immer mehr Ausstatter für Berufsbekleidung haben Bio-Baumwolle oder Fairtrade-Ware im Angebot.

Umweltproblem Baumwolle

Laut dem Umweltinstitut München leben 99 Prozent aller Baumwollbauern in Entwicklungsländern. In vielen Fällen erhalten die Bauern einen zu geringen Erlös für ihre Ernte, sodass das Geld zum Leben nicht reicht. Weiterhin ist die Baumwollpflanze anfällig für bestimmte Schädlinge, sodass viele Felder mit Pestiziden gespritzt werden. Ohne passende Schutzausrüstung macht das die Bauern auf Dauer krank. In einigen Ländern arbeiten zudem Kinder auf den Feldern. Das Umweltinstitut schätzt, dass es über 100 Millionen Kinder weltweit sind, die in der Landwirtschaft arbeiten.

Übrigens: In der EU macht Baumwolle über 40 Prozent aller Textilfasern für Kleidung aus.

Angebaut wird Baumwolle heute weltweit. China und Indien beherrschen mit über sechs Millionen Tonnen Baumwolle pro Jahr den Markt. Auf Platz drei landen die USA. Dahinter Brasilien, Pakistan, die Türkei und Usbekistan. Neben warmen klimatischen Bedingungen benötigt die Baumwollpflanze einen relativ hohen Wasseranteil, sodass viele Plantagen nicht ohne künstliche Bewässerung auskommen. Subventionsprogramme, vor allem in den USA, senken den Baumwollpreis so weit, dass Kleinbauern kaum noch mithalten können.

Fair oder nachhaltig

Wer nun auf „faire“ Baumwolle setzen möchte, der sollte sich bewusst machen, dass es zwei unterschiedliche Ansätze gibt. Der Anbau kann zum einen fair für die Natur sein: Beim nachhaltigen Anbau wird darauf geachtet, dass keine Pestizide eingesetzt werden. Geringerer Ertrag durch Wetterschwankungen wird ohne Gegensteuern durch chemische Dünger & Co. akzeptiert. Gleichzeitig steht ein niedriger Ressourcenverbrauch im Vordergrund. Baumwollanbau kann auch fair für die Bauern sein: Hier erfolgt die Abnahme der Ware zu einem angemessenen Preis, sodass die Bauern gut von ihrem Anbau leben können und sich gegebenenfalls neue Maschinen oder bessere Schutzausrüstung zulegen können.

Bei Fairtrade wird vor allem auf einen stabilen Mindestpreis geachtet. Zusätzlich erhalten die Bauern Fairtrade-Prämien. Diese Prämien werden für Projekte vor Ort verwendet, sodass die Infrastruktur oder die Bildungsmöglichkeiten im Ort verbessert werden können. Die Vorschriften von Fairtrade müssen von allen Bauern eingehalten werden, hieraus resultieren bessere Arbeitsbedingungen. Ausbeuterische Kinderarbeit ist verboten. Der Einsatz von gentechnikverändertem Saatgut ist ebenfalls untersagt.

Bio-Baumwolle benötigt im Allgemeinen weniger Wasser als konventionelle (auch Fairtrade) Baumwolle. Das liegt daran, dass die Bauern die Fruchtfolge einhalten. Durch den Wechsel der auf den Flächen angebauten Pflanzen und die Vermeidung riesiger Monokulturen erhalten die Pflanzen mehr Nährstoffe. Die Böden können durch den Wechsel der angebauten Pflanzen zudem häufig mehr Wasser speichern. Viele Bio-Bauern verwenden Regenwasser zur Bewässerung. Drei Viertel der gesamten Bio-Baumwolle stammt von Kleinbauern. Der Einsatz von Pestiziden und anderen giftigen Chemikalien beim Anbau und auch bei der Weiterverarbeitung ist verboten. Der Anteil an Bio-Baumwolle steigt kontinuierlich. Der Großteil der Bio-Baumwolle stammt heute aus Indien.

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