Infektionsrisiko steigt

Exotische Zeckenarten: Verbreitung auch in Hessen

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Berlin -

Exotische Zeckenarten werden nun allmählich in Hessen heimisch – damit steigt auch für Mensch und Tier das Risiko, sich mit gefährlichen Krankheiten zu infizieren. „Die Wiesenzecke und die Schafzecke breiten sich hier zunehmend aus“, teilte das hessische Gesundheitsamt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. „Diese Zecken sind in der Lage, Krankheitserreger wie zum Beispiel den Erreger des Q-Fiebers zu übertragen.“

Das Q-Fieber ist laut Robert Koch-Institut (RKI) eine Infektion, die meist mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen und ausgeprägten Stirnkopfschmerzen beginnt. Im weiteren Verlauf könnten eine Lungenerkrankung oder eine Hepatitis auftreten, oft bleibe es aber bei milden grippeähnlichen Symptomen.

Als wechselwarme Tiere brauchen Zecken eine bestimme Mindesttemperatur, um aktiv werden zu können, wie Berthold Langenhorst, Geschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu) in Hessen, erklärte. „Unter 7 bis 8 Grad fallen sie normalerweise in eine Winterstarre und können sich dann nicht mehr bewegen.“ Die immer wärmeren Winter förderten die Zeckendichte in Hessen. In Südhessen seien die Blutsauger deshalb mittlerweile fast ganzjährig aktiv, sagte Langenhorst.

Damit stellen die Spinnentiere schon früh im Jahr ein Risiko für Erwachsene und Kinder dar, die sich im Freien aufhalten. Zu den gefährlichsten Infektionen, die hierzulande von Zecken übertragen werden, gehören laut Robert Koch-Institut (RKI) die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die Borreliose ist eine Bakterieninfektion und kann nur mit Antibiotika behandelt werden. FSME hingegen ist eine Gehirn-, Gehirnhaut- oder Rückenmarksentzündung und entsteht durch ein Virus, gegen das man sich impfen lassen kann.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt diese Impfung allen Kindern und Erwachsenen, die sich in FSME-Risikogebieten in der Natur aufhalten. In Hessen zählen aktuell die Städte Offenbach und Darmstadt sowie die Landkreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Fulda, Groß-Gerau, Main-Kinzig, Marburg-Biedenkopf, Odenwald und der Kreis Offenbach dazu. „Impfen ist der beste Schutz vor einer FSME-Erkrankung. Wie wichtig Vorsorge ist, zeigt die steigende Zahl der vom RKI ausgewiesenen FSME-Risikogebiete in Deutschland“, betonte die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU).

Im Jahr 2020 waren in Hessen laut RKI rund 19 Prozent der Erwachsenen über 18 Jahren vollständig gegen FSME geimpft, aktuellere Daten lagen dem Institut nicht vor. Für die Grundimmunisierung sind drei Impfungen im Abstand von mehreren Wochen erforderlich, Auffrischungsimpfungen müssen alle drei bis fünf Jahre durchgeführt werden. Deutschlandweit weist das RKI aktuell 180 Kreise als FSME-Risikogebiete aus. Besonders stark betroffen sind demnach Bayern und Baden-Württemberg, Südhessen, das südöstliche Thüringen, Sachsen und das südöstliche Brandenburg.

Wie aktiv die Zecken hierzulande in diesem Jahr sein werden, hängt Experten des Hessischen Landesamts für Gesundheit und Pflege zufolge von Temperaturen und Feuchtigkeit ab. „Man kann sagen, dass es zu einer hohen Aktivität des Gemeinen Holzbocks kommt, wenn feuchtwarme Sommertemperaturen vorliegen“, teilte das Gesundheitsamt mit – denn diese Zeckenspezies fahre ihre Aktivität herunter, wenn es zu trocken und heiß sei. Der Gemeine Holzbock gelte in Deutschland als häufigste Zeckenart. In Hessen wurden dem Gesundheitsamt im Jahr 2024 noch keine FSME-Fälle gemeldet, erfahrungsgemäß würden die meisten Fälle allerdings in den Monaten Juni und Juli bekannt. 13 FSME-Fälle verzeichnete die Behörde in Hessen im Jahr 2023, zehn Fälle weniger als im Vorjahr.

Auch für Hunde gefährlich

Zwei exotische Arten sind besonders für Hunde gefährlich: Durch die Wiesenzecke können sie sich nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu mit tödlichen Parasiten infizieren, die vor allem im Mittelmeerraum vorkommen. Wer mit seinem Hund verreist oder einen Hund im Ausland kauft, kann die braune Hundezecke aus südlicheren Ländern nach Hessen einschleppen, wie das hessische Gesundheitsamt mitteilte. Die Zecke könne ebenfalls Erreger übertragen, die teilweise auch für den Menschen gefährlich seien.

Wie sollte man sich schützen?

Wie kann man sich also – neben einer FSME-Impfung – vor Zecken schützen? Der Nabu gibt auf seiner Webseite zahlreiche Tipps: Längere Aufenthalte in „Zeckenbiotopen“ mit Gräsern, Farnen und Büschen solle man im Sommer vermeiden beziehungsweise anschließend Kleidung und Körper absuchen. „Erwachsene sollten auf Zecken an den Beinen, in der Leiste und Schambehaarung achten, denn Erwachsene streifen Zecken in der Regel beim Laufen von der niedrigen Vegetation ab“, rät der Nabu. Bei Kindern solle man besonders auf die Kopfhaut im Bereich des Haaransatzes achten. „Helle Kleidung hilft Zecken leichter zu entdecken, glatte Stoffe bieten den Tieren weniger Halt.“

Die Spinnentiere halten sich nach laut Nabu bevorzugt auf dichten, niedrigen Kräutern und Sträuchern auf, die ausreichend Feuchtigkeit, aber auch Schutz vor Sonne und Wind bieten. Dort lauern sie auf Säugetiere, die sie an Erschütterungen, Körperwärme, Atemluft oder Schweißgeruch erkennen. Sie lassen sich von ihnen im Vorbeigehen abstreifen und suchen nach einer Stelle, an der sie zustechen können.

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