Hamburg

Klinik beherbergt Flüchtlinge

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Berlin -

Erstaufnahmestationen und Wohnheime für Flüchtlinge sind überfüllt. Die Kommunen suchen nach weiteren Möglichkeiten, die Menschen unterzubringen. Die Asklepios Klinik in Hamburg-Harburg will helfen – und richtet die ehemalige, leerstehende Kardiologie-Abteilung als vorübergehendes Zuhause für Flüchtlinge her, die in schwierigen gesundheitlichen Lagen sind.

Die Hilfe der Klinik wurde schnell und unbürokratisch angenommen. „Vor etwa zwei Wochen haben wir mit der Stadt gesprochen. Nach einer Begehung des Gebäudes war der Bezirksbürgermeister begeistert“, berichtet Sprecher Mathias Eberenz. Schon Ende August sollen die Ersten einziehen. Insgesamt ist Platz für 90 Personen. Dabei sind die Räume für Schwangere, Schwerkranke und Behinderte gedacht. Da das Gebäude barrierefrei und in direkter Nachbarschaft zur Harburger Klinik liege, sei es für diese Gruppe sehr gut geeignet.

Bis mindestens Frühjahr 2016 sollen die Flüchtlinge im Haus 2 auf dem Krankenhausgelände wohnen, um während des Winters gut untergebracht zu sein. „Etwa 250 neue Flüchtlinge kommen täglich in Hamburg an. Wir können also bei weitem nicht alle unterbringen. Aber wir wollten helfen“, so ein Sprecher der Asklepios-Kliniken, Mathias Eberenz. Die Menschen sollen so lange dort leben, bis sich ihr Gesundheitszustand stabilisiert oder eine geeignete Folgeunterkunft gefunden wird. Sozialarbeiter von „fördern & wohnen“ werden sie ebenfalls unterstützen.

Die Flüchtlinge bekommen nicht nur ein Dach über dem Kopf. Auch die gesundheitliche Versorgung werde die anliegende Klinik übernehmen. „Die Schwangeren können bei uns ihre Kinder bekommen“, sagt Eberenz. Flüchtlinge werden in Hamburg, genau wie in Bremen, direkt krankenversichert. Zum Teil könne es sich zwar bis zu acht Wochen hinziehen, bis sie ihre Gesundheitskarte von der AOK erhielten. „Doch wir werden sie auf jeden Fall erst einmal behandeln und dann die Abrechnung schon durchsetzen“, so Eberenz.

Derzeit arbeite das Handwerkerteam der Klinik auf Hochtouren, um das Gebäude technisch aufzurüsten: „Es muss etwa kontrolliert werden, ob die Brandschutzbestimmungen eingehalten werden. Außerdem haben wir Waschmaschinen im Gebäude installiert“, zählt Eberenz auf. W-Lan müsse noch eingerichtet werden, denn die Flüchtlinge sollen online mit ihren Familien kommunizieren können.

Auf dem Krankenhausgelände werde darüber hinaus eine Grünfläche als Kinderspielplatz hergerichtet. Die Kita der Klinik sei im Haus 2 untergebracht und solle fortan auch die Flüchtlingskinder betreuen. Auch das Büro des Klinik-Direktors befinde sich im Gebäude. „Mehr Integration geht wohl nicht“, meint Eberenz.

Deswegen sei es wichtig, dass die Krankenhausmitarbeiter eingehend informiert würden. Immerhin werden die Flüchtlinge buchstäblich Tür an Tür mit den Mitarbeitern und Patienten leben. „Wir wissen bislang noch nicht, wie das auflaufen wird. Viele verschiedene Kulturen werden ins Gebäude einziehen, da könnte es natürlich zu Spannungen kommen“, sagt er. Daher werde es eine Hausordnung geben.

Das Krankenhauspersonal selbst komme insgesamt aus mehr als 60 verschiedenen Nationen. Viele kennen somit das Neu-Ankommen und wollen die künftigen Nachbarn unterstützen. „Damit das organisiert passieren kann, gründen wir gerade einen Verein“, berichtet Eberenz. „Sachspenden und ehrenamtliche Helfer, etwa Dolmetscher, wollen wir darüber koordinieren.“

Nicht nur Klinikangestellte, auch Anwohner und ehemalige Mitarbeiter hätten bereits ihre Hilfe angeboten. Freizeitveranstaltungen sollen geplant werden; die Flüchtlinge sollen nicht in dem Gebäude festsitzen. „Wir wollen eine Willkommenskultur leben“, betont er.

„Unsere Kernkompetenz ist die medizinische Versorgung. Mit dem Projekt betreten wir Neuland“, sagt Eberenz. „Doch unsere Erfahrungen könnten anderen Bundesländern mit ähnlichen Ideen helfen“, meint er. Die Asklepios Kliniken seien bereits auf der Suche nach weiteren leerstehenden Gebäuden für Flüchtlinge: „Ab Herbst soll auch ein ehemaliges Schwesternwohnheim in Bad Oldesloe fertig vorbereitet sein.“

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