Klassisches Brillendesign kombiniert mit moderner Technologie – so oder so ähnlich liest sich die Werbung für Brillen mit integrierter Künstlicher Intelligenz (KI). Mit ihnen soll die Kamera für den Live-Stream direkt auf der Nase sitzen. Ein Hausarzt aus Mecklenburg-Vorpommern sieht die Entwicklung kritisch und verbietet das Tragen solcher KI-Gestelle in der Arztpraxis.
In einem aktuellen Schreiben an seine Patientinnen und Patienten wird Dr. Fabian Holbe deutlich: „Aus Gründen des Datenschutzes und zum Schutz der Persönlichkeitsrechte aller Anwesenden ist das Tragen von KI-Brillen (zum Beispiel mit Kamera-, Aufnahme- oder Analysefunktionen) in unseren Praxisräumen strikt untersagt.“ In der Praxis herrsche ab sofort ein KI-Brillenverbot.
Holbe betreibt die Hausarztpraxis Neuburg gemeinsam mit Dr. Julia Seemann und Christiane Müller. Das Verbot diene der Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sowie des Bundesdatenschutzgesetzes. „Unbefugte Bild- oder Tonaufnahmen verletzen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und den besonderen Schutz von Gesundheitsdaten“, heißt es in dem Schreiben.
Die Betroffenen sollen KI-Brillen vor Betreten der Praxis ablegen. „Dass wir das überhaupt explizit kommunizieren müssen, zeigt, wie sehr sich die Grenzen zwischen Privatsphäre, Datenschutz und technischer Neugierde verschwimmen“, so Holbe. Man wisse nicht, wer welche Daten wohin übertrage. „Ob Gesichtsausdrücke, Diagnosegespräche oder persönliche Details: Solche Aufzeichnungen gehören weder in die Cloud eines Tech-Konzerns noch auf eine private Festplatte.“
Er unterstütze die Digitalisierung im Gesundheitswesen, „aber mit Verantwortung“. KI könne unterstützen, aber nicht auf Kosten der Selbstbestimmung der Patientinnen und Patienten.
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