Krankenhausversorgung

Apotheker wegen grauer Ware vor Gericht

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Weil er Zytostatika als Klinikware eingekauft und für den ambulanten Bereich weiterverkauft haben soll, muss sich ein Apotheker aus Schleswig-Holstein am Freitag vor dem Landgericht Lübeck verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gewerbsmäßigen Betrug in mehr als 1350 Fällen vor, der Schaden für die Pharmahersteller soll mindestens 2,5 Millionen Euro betragen.

Der 70-Jährige soll über seine krankenhausversorgende Apotheke in Lübeck zwischen 2004 und 2008 Zytostatika direkt bei Herstellern für den Klinikbedarf eingekauft und sie als Offizinware eingesetzt beziehungsweise über den Pharmagroßhandel weiterverkauft haben. Ein angestellter Apotheker sowie zwei Apotheker der AOK Schleswig-Holstein (heute AOK Nordwest) und die Geschäftsführerin eines Großhändlers aus Schleswig-Holstein wurden Ende 2010 ebenfalls angeklagt.

Die beiden AOK-Apotheker sollen laut Staatsanwaltschaft die Pharmazeuten bei der Verwendung der Klinikware beraten haben. Das Verfahren gegen den 70-Jährigen wurde aus gesundheitlichen Gründen vorgezogen, die übrigen Angeklagten sollen sich noch in diesem Jahr vor Gericht verantworten.

2007 hatte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen. Ende 2008 untersuchten die Beamten zusammen mit der Kriminalpolizei die Geschäftsräume von Apotheke, Pharmagroßhändler und Kasse sowie Privaträume der Beschuldigten und stellten umfangreiches Beweismaterial sicher.

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