APOTHEKENTOUR in Hamburg

„Unser Job ist es nicht, Papier zu bedrucken“

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Hamburg -

Andreas Arntzen ist seit zehn Jahren CEO des Wort & Bild Verlags. Seine Mission ist es, das Unternehmen in einem sich verändernden Markt jeden Tag ein Stück weit neu zu erfinden. Was Apotheken und Umschau dabei gemeinsam haben, erklärte er beim CEO-Talk auf der APOTHEKENTOUR.

„Unser Job ist es nicht, Papier zu bedrucken, sondern Personen in die Apotheke zu bringen“, sagte Arntzen. Daher sei die Umschau schon immer mehr als eine reine Publikation gewesen: Wenn man in TV-Werbung investiere, dann sichere man den Apotheken einen Platz zwischen Shop Apotheke und anderen Konzernen.

„Wir haben in unseren Spots immer auch Werbung für die Apotheke gemacht.“ Arntzen verwies auf die Kampagne „Danke Apotheke“ oder die Engagements während Covid oder für die Ukraine.

E-Rezept als zentrale Anwendung für Apotheken

Aus demselben Grund habe man sich auch sehr im Bereich des E-Rezepts stark gemacht. „Meine Überzeugung war immer, dass die Apotheke eine zentrale Anwendung haben muss, wenn sie DocMorris & Co. zum Pennystock machen will.“

Aktuell sehe er Chancen, weil die Schnittfläche zwischen Ärzten und Apothekern deutlich größer werde. In zehn Jahren werde der Verlag daher hoffentlich noch stärker auf verschiedenen Beinen stehen.

Arntzen vergleich die Herausforderungen seines Unternehmens mit denen von Brauereien: Vor 50 Jahren hätten die eine Biersorte verkauft, heute führe an einem breiten Sortiment kein Weg mehr vorbei. „Die Angebote werden granularer, individualisierter. In unserem Fall kann uns die Digitalisierung dabei helfen, Bedürfnisse besser zu verstehen und neue Angebote zu machen.“

Veränderung statt Trübsal

Dasselbe gelte 1:1 auch für die Apotheken: Man könne Veränderung negativ oder positiv sehen. Besser als Trübsal zu blasen sei es, die sich bietenden Chancen zu nutzen. „Jede Krise ist immer auch eine Chance für Veränderungen ins Gute.“

Ganz unabhängig davon, dass die Apotheken dringed die versprochene Honorarerhöhung benötigten, dürfe man nicht darauf warten, dass Andere für einen aktiv würden. „Ich behaupte, dass jeder in der Lage ist, in seiner Apotheke etwas zu tun, um etwas mehr Erfolg zu haben.“

Wichtig sei, dass die Apotheken „noch ein Stück aufrechter und stolzer gehen im Wissen, was sie für das Gesundheitswesen tun“, so Arntzen. Wenn man permanent kommuniziere, dass alle 36 Stunden eine Apotheke sterbe, dann komme man nicht in eine selbstbewusste Haltung, um im Markt anders wahrgenommen zu werden.

Natürlich habe die einzelne Apotheke politisch nicht genügend Kraft und sei auf eine gute Interessenvertretung angewiesen. Aber es bringe nichts, Dingen nachzutrauern, die versäumt wurden. „Ich würde nicht zu viel Energie in etwas stecken, das ich nicht verändern kann.“

Neugierig sein, Chancen erkennen

Es brauche einen Reset. „Unternehmertum bedeutet, neugierig zu sein und sich mit dem auseinanderzusetzen, was um einen herum passiert. Nur so kann man erkennen, wo neue Chancen liegen.“

Als Beispiel nannte er Gadgets, die er lieber in der Apotheke als bei Mediamarkt sehen würde. Aber dafür müsse man sich mit dem Thema erst einmal auseinandersetzen. „Wie wäre es mittwochnachmittags mit einem Schwerpunkt auf Digitalem? Das heißt nicht, dass die Kunden das direkt annehmen und dass ich direkt mehr Umsatz mache. Aber ich muss die Erfahrung machen um zu sehen, ob es möglich ist.“

Er würde sich wünschen, dass die Apotheken ein bisschen motivierter und aufgeschlossener werden. „Es macht unglaublich Spaß, Dinge auszuprobieren. Fehler sind nicht schlimm: Stolpern gehört zu jedem Erfolg dazu.“

Zusatzverkäufe als Chance

Arntzen räumte ein, dass es große Herausforderungen gebe. Die Politik spreche zwar viel über Digitalisierung, das mit Abstand größte Problem sei aber der Mangel an gutem Personal. „Wir sehen, dass in Kliniken und Praxen, aber eben auch in Apotheken allzu oft Mitarbeiter fehlen und dass die Qualität dadurch abnimmt. Das ist ein Problem für die Betreuung der Kunden.“

Genau hier sehe er aber eigentlich die großen Chancen. Aus seiner Sicht scheuen sich viele Apotheken immer noch vor Zusatzverkäufen.

Er selbst habe vor Jahren vier Sportgeschäfte geführt und ein gutes Gefühl dafür entwickelt, ob er einen Kunden mit Empfehlungen zufrieden machen konnte. „In der Apotheke wurde ich noch nie gefragt, ob ich noch etwas kaufen will.“ Dabei liefen hier die Informationen zusammen. „Der Hinweis, es mit Kirschkernen zu versuchen, reicht natürlich auch. Aber ich wäre froh, wenn mir zusätzliche Dinge angeboten würden.“

Nebensatz wirkt Wunder

Damit sich der Kunde am Ende nicht übers Ohr gehauen fühle, müsse man natürlich authentisch bleiben. Aber auch hier gebe es noch viel Potenzial. Schon ein kleiner Nebensatz könne Wunder bewirken: „Drei Sekunden können genügen, dass die Mundwinkel nach oben gehen und der Kunde sich an mich erinnert und gerne wiederkommt.“

Als Chef müsse man auch die Mitarbeiter motivieren, neue Wege zu gehen. „Wie spreche ich Kunden an, was mache mit ich mit der Umschau, wie nutze ich Flyer? Da muss experimentiert werden, ohne Scheu vor Fragen oder Kommentaren.“

Apotheken werden wichtiger

Laut Arntzen gibt es noch viel zu tun, zumal die Rolle der Apotheke in Zukunft wichtiger werde. „Hier gibt es großen Bedarf, die Apotheke muss künftig noch stärker mithelfen, die Versorgung zu stemmen. Dazu braucht es mehr Wertschätzung, derzeit werden die Millionen Patientenkontakte nicht ausreichend genutzt, um sie imagebildend einzusetzen.“

Die Branche selbst müsse verstehen, dass es in Zukunft nicht mehr ausreiche, kranke Menschen zu behandeln. Prävention sei ein riesiger Markt, der heute von Influencern dominiert werde. „Aus meiner Sicht ist es gesundheitsgefährdend, wenn 20-Jährige auf Social Media wiederkauen, was sie irgendwo aufgeschnappt haben. Hier müssen wir dringend die Rolle der Apotheke noch mehr in den Vordergrund hieven.“

Es gebe so viele Dinge, die er in der Apotheke sehen würde, denn ein solches flächendeckendes Netzwerk sei einzigartig. „Die Apotheke ist unverzichtbar. Warum machen wir hier nicht mehr Angebote?“ Der Wort & Bild Verlag werde weiter als fester Partner mit Qualität, Innovation und Reichweite an der Seite der Apotheke stehen.

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