Schwaches Schlussquartal

Redcare: Ziele verfehlt, Kurs stürzt ab

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Berlin -

Redcare hat zwar die Prognose erfüllt, was den Rx-Umsatz in Deutschland angeht. Allerdings konnte gerade so das untere Ende des Zielkorridors erreicht werden. Und insgesamt hat der Konzern seine Ziele verfehlt. An der Börse kam das schlecht an.

Eigentlich hatte Redcare im vergangenen Jahr beim Konzernumsatz um mindestens 25 Prozent zulegen wollen. Dazu hätte der Konzern die Schwelle von drei Milliarden Euro nehmen müssen. Geworden sind es nur 2,9 Milliarden Euro und damit nur 21 Prozent Wachstum.

Im Non-Rx-Bereich konnten 1,9 Milliarden Euro eingefahren werden und damit ein Wachstum von knapp 19 Prozent. Hier wurde die Prognose von mindestens 18 Prozent leicht übertroffen.

Und auch beim Rx-Umsatz in Deutschland von konnte mit 503 Millionen Euro das Ziel nur ganz knapp erreicht werden; hier wollte der Konzern mehr als 500 Millionen Euro erreichen.

Für die Aktie ging es kurz nach Handelsbeginn um mehr als 8 Prozent auf 65,80 Euro abwärts. In den vergangenen zwölf Monaten hat sie rund 46 Prozent an Wert eingebüßt.

Analyst Martin Comtesse vom Investmenthaus Jefferies sieht ein durchwachsenes Bild. Es sei eine klar negative Überraschung, dass die Umsätze mit rezeptfreien Medikamenten inmitten der Grippesaison nachließen. Dem gegenüber stehe aber eine Beschleunigung bei E-Rezepten, denn trotz der Bedenken von Anlegern seien hier die Ziele für 2025 erreicht worden.

Insgesamt aber sei der Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent gestiegen, was in starkem Kontrast zum rund 50-prozentigen Kursrückgang der Aktie in derselben Zeit stehe. Entsprechend sieht Comtesse 2026 Aufwärtspotenzial.

Analyst Felix Dennl von der Privatbank Metzler äußerte sich ebenfalls negativ über das deutlich abgeschwächte Umsatzwachstum im Geschäftsbereich Non-Rx. Das sei umso erstaunlicher, da die Zahl der Grippeerkrankungen vor allem im Dezember höher gewesen sei als im Jahr zuvor. Über den kräftigen Wachstumsschub von rund 60 Prozent durch das E-Rezept im vierten Quartal äußerte sich Dennl positiv, er sieht darin eine verstärkte Nutzung dieser Möglichkeit der Medikamentenbestellung durch chronisch Kranke. Zudem dürfte eine höhere Aktivitätsrate und Bestellhäufigkeit den Anstieg des aktiven Kundenstamms auf nunmehr 13,9 Millionen erklären.

Druck auf den Aktienkurs hatte der Metzler-Analyst angesichts des Zahlenwerks zwar erwartet, bleibt aber von den „mittelfristigen strukturellen Wachstumschancen überzeugt“. So könnte eine mögliche Erhöhung der Zuzahlung für verschreibungspflichtige Medikamente für gesetzlich Krankenversicherte in Deutschland Verbraucher dazu anregen, ihre Einkäufe von stationären Apotheken auf günstigere Online-Alternativen zu verlagern, erwartet Dennl.

Für Volker Bosse von der Baader Bank sind die vorläufigen Umsatzzahlen für das Gesamtjahr solide ausgefallen, auch wenn sie etwas unter den Analystenerwartungen gelegen hätten. Zurückzuführen sei dies auf trägere Umsätze bei rezeptfreien Medikamenten. Die Zahlen untermauerten jedoch, dass Redcare auf dem besten Weg sei, bedeutende Marktanteile im Online-Apothekenmarkt in Europa – und insbesondere in Deutschland – zu gewinnen.

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