Mit rund 14 Prozent ist der polnische Pharmahändler Pelion derzeit größter Aktionär bei DocMorris. Gefördert wird der Großhändler und Betreiber von Apothekenketten mit Millionengeldern der EU.
Vor zwei Jahren investierte die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) 25 Millionen Euro in Pelion und übernahm dafür 4,35 Prozent der Anteile am Pharmahändler. Die hybride Eigenkapitalinvestition sollte die Wachstumsstrategie von Pelion unterstützen und neben Akquisitionen auch die Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsbereiche umfassen, darunter Telemedizin und E-Commerce.
Anderthalb Jahre später schlug Pelion zu und sicherte sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung für 150 Millionen Euro zunächst 10 Prozent der Aktion von DocMorris. Mittlerweile hat der Konzern seinen Anteil auf 14 Prozent ausgebaut und bläst zum Angriff auf das Management: Verwaltungsratspräsident Walter Oberhänsli soll durch den früheren Celesio-CEO Dr. Fritz Oesterle ersetzt werden.
Halfen die EU-Gelder bei der Übernahme? Es war jedenfalls nicht die erste Finanzspritze der EBWE: Schon 2019 wurden Pelion 47 Millionen Euro als Darlehen zur Verfügung gestellt, gefolgt von zwei Corona-Darlehen (25 Millionen Euro im Jahr 2020 und 24 Millionen Euro ein Jahr später). 2021 kaufte der Konzern die bis dahin zu Celesio/McKesson gehörende Apothekenkette Lloyds Apotek in Schweden.
2022 gab die EBWE ein weiteres Darlehen in Höhe von 85 Millionen Euro, diesmal an die Holdinggesellschaften KIPF und Deeta mit dem Zweck, den Ausbau im Bereich E-Commerce sowie den Kauf von Apotheken zu finanzieren. Parallel stellte die polnische mBank weitere 75 Million Euro zur Verfügung.
Pelion ist seit mehr 30 Jahren aktiv und beschäftigt mehr als 11.500 Mitarbeiter. Mit PGF ist der Konzern der führende Pharmagroßhändler in Polen. Zur Einzelhandelssparte CEPD gehören mehr als 1660 Apotheken in Polen, Litauen und Schweden. Seit der Übernahme von Lloyds Apotek ist der Konzern der drittgrößte Apothekenbetreiber in der EU.
Ursprünglich war die EBWE 1991 gegründet worden, um „Privatisierung und Unternehmertum“ in den ehemaligen Ostblockstaaten zu fördern. Tatsächlich finanziert das Institut in beträchtlichem Umfang die Ost-Expansion westeuropäischer Konzerne. Einen 150-Millionen-Euro-Kredit an den Lebensmittel-Discounter Kaufland etwa erklärte die Bank 2008 mit der Wirtschaftskrise. Träger der EBWE sind 75 Länder sowie die EU und die Europäische Investitionsbank; mit einem Kapitalanteil von rund 9 Prozent ist Deutschland einer der größten Anteilseigner.
Zum jüngsten Einstieg beim Gesundheitskonzern fanden die EBWE-Verantwortlichen lobende Worte: „Dies ist eine sehr wichtige Transaktion für die Bank. Sie stärkt die bestehende Partnerschaft der EBWE mit der Pelion-Gruppe, die ehrgeizige Wachstumspläne in den EBWE-Regionen und darüber hinaus verfolgt. Die Investition der Bank bietet Pelion zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten, mehr Sicherheit und höhere Qualitätsstandards, um die Expansion der Gruppe zu unterstützen“, kommentierte Frederic Lucenet, Leiter des Bereichs Fertigung und Dienstleistungen der EBWE.
„Die Investition der EBWE wird die Pelion-Gruppe bei der Entwicklung ihrer Telemedizin- und digitalen Dienstleistungen unterstützen und so den Zugang zu Gesundheitsleistungen für die Bevölkerung in ganz Polen direkt verbessern. Es handelt sich daher um eine strategische Investition, die mit den Prioritäten der Bank in Polen zur Förderung von Innovation und Digitalisierung übereinstimmt“, fügte Elisabetta Falcetti, Leiterin der EBWE für Polen und die baltischen Staaten, hinzu.