Orthomol-Chef auf der APOTHEKENTOUR

„Eine Erlebnisapotheke fände ich supergeil“

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Köln -

Wie aus einer weißen Packung eine blaue Wand wurde, die heute aus den Apotheken nicht mehr wegzudenken ist, berichtete Nils Glagau von Orthomol beim CEO-Talk auf der APOTHEKENTOUR in Köln. Seine Botschaft an die Apothekenteams: Traut Euch selbst mehr zu! 

Sein Vater hatte die Idee für orthomolekulare Medizin in den USA aufgeschnappt; hierzulande sei Ernährungsmedizin 1991 noch weitgehend unbekannt gewesen. „Das fand niemand hip.“

Im kleinen Häuschen wurden die erste Packungen mit Pillen gepackt, die Produkte seien „ein bisschen langweilig im Gegensatz zu heute“ gewesen, so Glagau im Gespräch mit Tom Bellartz. Von Anfang an habe man aber immer auf Qualität und Wissenschaft gesetzt, „unsere Ethik war eine andere als die anderer Unternehmen“.

Das habe Orthomol aber nicht davon abgehalten, immer neue, innovative Indikationen zu liefern: „Bei Probiotika oder Augenprodukten etwa waren wir mit die ersten“, so Glagau. So sei die blaue Wand immer weiter gewachsen.

Trends setzen

1992 habe man noch nicht gewusst, ob der Vitaminhype irgendwann vorbei sein würde. Doch ein Ende des Trends sei nicht abzusehen – im Gegenteil: Junge Menschen seien heute unglaublich aufgeklärt und supplementierten mehr als je zuvor. „Weil sie wissen, dass sie 100 Jahre alt werden.“ Er hätte vor 20 Jahren nicht gedacht, dass eine ganze Generation weltweit so unterwegs sein würde.

So schön es sei, dass das Bewusstsein und auch das Angebot an Gesundheitsprodukten wüchsen, so unschön sei es, dass auch so viele unseriöse Sachen angeboten würden. „Der Endverbraucher muss heute viel genauer hinschauen, was drin ist und ob nicht nur ein Influencer große Sprüche macht.“

So habe sich auch das Orthomol-Portfolio immer weiter entwickelt. „Wir hatten ‚Stress‘ als großes Thema, heute ist es eher Achtsamkeit.“ Manchmal müsse man sich auch von Produkten lösen. „Wir hatten recht früh ein Schlafprodukt, erst viel später kam aber der Durchbruch mit Melatonin.“

Orthomol werde auch nicht auf jedes Thema setzen: „Zum Abnehmen etwa gehört schon mehr, als eine Pille einzuwerfen. In naher Zukunft werden Sie kein Abnehmprodukt von uns sehen, denn ich denke nicht, dass das seriös wäre.“

Apotheken als magischer Ort

Auch den Apotheken empfiehlt er, sich ein Stückweit immer auch auf eine neue Reise zu begeben. „Ich bin ein riesiger Fan der Apotheken, denn es gibt total viele Patientinnen und Patienten, die ohne die Apotheke gar nicht wüssten, wohin sie gehen müssten. Das ist doch die beste Ausgangsvoraussetzung, um mit Selbstwertgefühl rauszugehen und zu zeigen: ‚Wir können noch mehr!‘“

Tom Bellartz und Nils Glagau bei der Apothekentour
Glagau im Gespräch mit Tom Bellartz.Foto: APOTHEKE ADHOC

Er fände es toll, wenn die Apotheke ein magischer Ort werde, an dem man auch einmal verweilen oder bummeln könne. Glagau berichtete von einer Apotheke aus München, in der das Mobiliar auf Rädern montiert sei und etwa für Musikveranstaltungen weggeschoben werden könne. „Eine Erlebnisapotheke fände ich supergeil.“

Schon heute sei die Apotheke der wichtigste Ort für Gesundheit, „wenn dann da noch etwas passiert, das fände ich toll“. Natürlich sei es im Alltag manchmal schwer, den Bogen in Richtung Lifestyle zu spannen. Auch bei Orthomol sehe man, dass einige Kategorien wie Engerydrinks oder Sportprodukte heute in anderen Kanälen leichter funktionierten.

Doch genau hier seien unendlich viele Chancen: „Ihr kennt Eure Kundinnen und Kunden am besten. Wer, wenn nicht Ihr, könnte sie also auch auf Themen wie Longevity oder Sport, die weit über die üblichen Indikationen hinausgehen, ansprechen?“

Die Chance sei da, denn es gebe zigtausende hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Das ist eine Power, da kann man richtig etwas bewegen.“

Glagau sicherte den Apotheken zu, sie bei allen Themen als Partner zu begleiten. Dazu gehört auch das Versprechen: „Die blaue Packung wird immer in der Apotheke bleiben.“

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