Wettbewerbszentrale klagt

dm-Chef: „Wir betreiben eine Plattform, keine Apotheke“

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Berlin -

dm-Chef Christoph Werner hat auf die Klage der Wettbewerbszentrale gegen die Drogeriekette wegen deren OTC-Versand reagiert. Er wies gegenüber „Bild“ die Vorwürfe zurück und hält das Angebot von dm für rechtlich zulässig – und vergleicht es mit Amazon.

Die Wettbewerbszentrale erhob beim Landgericht Karlsruhe (LG) Klage gegen die Drogeriekette dm wegen deren OTC-Versand. Sie kritisiert das Modell, bei dem Medikamente formal über eine konzerneigene tschechische Versandapotheke verschickt werden. Die Wettbewerbszentrale erkennt darin einen Verstoß gegen geltendes Arzneimittel- und Apothekenrecht.

dm-med ist online üblich

Werner sagte gegenüber der Bild-Zeitung, dass die Klage noch nicht zugestellt sei. „Wir haben unser Angebot intensiv prüfen lassen, auch durch spezialisierte Kanzleien. Wir halten uns an alle gesetzlichen Vorgaben“, betont er. „Was wir machen, ist im Online-Handel absolut üblich. Wir betreiben eine Online-Plattform, auf der ein unabhängiger Anbieter seine Produkte anbietet. Genauso funktioniert moderner Online-Handel.“

Der Drogeriechef vergleicht das eigene Angebot mit einer Plattform wie Amazon. Es handele sich bei dm-med nicht um eine Apotheke durch die Hintertür. „Das ist Unsinn. Wir betreiben keine Apotheke, sondern eine Online-Plattform, auf der eine in Tschechien zugelassene Apotheke online anbietet. Schauen Sie sich Amazon an: Dort können Sie Waschmittel, Staubsauger und apothekenpflichtige Medikamente gleichzeitig kaufen.“

Der Kauf finde nur online statt und Filialen seien nur Abholpunkte, betont er. „Es gibt keine Beratung und keine Transaktion im dm-Markt. Von einer Vermischung zu sprechen, ist sachlich nicht korrekt.“ Für OTC-Arzneimittel gebe es eine separate Rechnung. Bei einem Testkauf an Tag 1 der Freischaltung des neuen Versenders bestätigte sich, dass auch zwei Pakete – eines für Drogerie- und eines für Apothekenprodukte – verschickt wurden. „Selbst wenn beide Sendungen gemeinsam zugestellt oder in einer Filiale abgeholt werden, bleiben es rechtlich und organisatorisch zwei völlig getrennte Käufe“, sagt Werner.

Werner sieht Potenzial beim OTC-Versand

Wegen regulatorischen Einschränkungen sitze dm-med in Tschechien und nicht in Deutschland. „Wenn ein klarer Rechtsverstoß vorliegen würde, hätte ein Gericht eine einstweilige Verfügung erlassen können. Das ist nicht passiert. Uns wurde keine einstweilige Verfügung zugestellt.“ Der Bereich habe großes Potenzial.

Werner bestreitet, die Apotheken frontal anzugreifen: „Wir reagieren auf eine Entwicklung, die längst stattfindet. Der Gesundheitsmarkt verändert sich. Der demografische Wandel, steigende Kosten und verändertes Kundenverhalten machen Innovation notwendig.“

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