Pharmahersteller

Generika-Giganten und Übernahmekandidaten Patrick Hollstein, 14.02.2016 13:39 Uhr

Berlin - Die Pharmabranche ist im Fusionsfieber, auch im Generikabereich. Wer noch zukaufen will, muss sich beeilen. Viele Übernahmekandidaten sind nicht übrig: Die Top-10 teilen sich bereits heute zwei Drittel des Marktes. Und unter den ansonsten führenden Anbietern sind viele indische Hersteller, um die die Branche bislang einen Bogen gemacht hat.

Der Weltmarktführer Teva kauft die Nummer 3 der Branche: Actavis. 40,5 Milliarden US-Dollar zahlt der israelische Konzern; geht der Deal durch, entsteht ein Gigant mit knapp 16 Milliarden US-Dollar Umsatz. Das ist fast doppelt so viel, wie die Nummer 2 auf die Waage bringt: Sandoz kommt auf Erlöse von 8,5 Milliarden Dollar. Dass die Novartis-Tochter den Konkurrenten so weit davon ziehen lässt, ist unwahrscheinlich: 2008 standen die Schweizer nach der Übernahme von Ivax kurz an der Spitze, bevor Teva den US-Konzern Barr kaufte.

Zuletzt hatte Teva versucht, Mylan für mehr als 31 Milliarden Dollar zu übernehmen. Doch die Nummer 4, an der Abbott beteiligt ist, hatte das Angebot ausgeschlagen – und sich jetzt zwar nicht Perrigo, aber Meda einverleibt. Zwar bleibt das Generikageschäft bei 6,4 Milliarden Dollar, denn der schwedische Konzern war in diesem Bereich nicht aktiv. Doch eine komplette Übernahme wäre nun teurer, allenfalls zerschlagen ließe sich der Konzern irgendwann.

Beim indischen Hersteller Sun, mit rund 5 Milliarden Dollar Jahresumsatz die Nummer 5 in der Branche und mit erklärten Ambitionen, die neue Teva werden zu wollen, hatte sich unlängst Daiichi Sankyo zurückgezogen. Der japanische Pharmakonzern war Großaktionär beim Konkurrenten Ranbaxy – in Deutschland: Basics. Nach Problemen mit der US-Aufsicht hatte sich der Konzern unter das Dach von Sun begeben.



Ein weiterer Übernahmekandidat wäre der südafrikanische Hersteller Aspen, an dem GlaxoSmithKline (GSK) mit 25 Prozent beteiligt ist. Allerdings hat sich der Konzern, der mit 3 Milliarden Euro auf Rang 6 kommt, gerade verschiedene Altoriginale gesichert, an denen klassische Generikahersteller vermutlich wenig Interesse hätten. Die Europazentrale wurde gerade von London nach München verlegt.

Hospira wurde zuletzt für 17 Milliarden Dollar von Pfizer übernommen. Der Biotechkonzern ist mit Biosimilars stark und kommt auf Erlöse von 2,6 Milliarden Dollar.

Entsprechend steigt Sanofi mit Winthrop/Zentiva einen Rang auf. Der Bereich erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 2,3 Milliarden Dollar und war im vergangenen Jahr vom Mutterkonzern zur Disposition gestellt worden. Dass die Franzosen gerade ihre Veterinärsparte Merial gegen das OTC-Geschäft von Boehringer Ingelheim eintauschen, mag dafür oder dagegen sprechen, dass auch das Generikageschäft abgestoßen wird.



Fresenius wird sich von seinen Infusionslösungen wohl kaum trennen; der Konzern arbeitet an einer lückenlosen Lieferkette bis ans Krankenbett. Immerhin 2,3 Milliarden Dollar spülen die Produkte in die Kasse.

Der indische Hersteller Lupin macht nur noch ein Drittel seiner Erlöse von zwei Milliarden Dollar im Heimatmarkt, 45 Prozent steuert die US-Tochter bei – die im größten Absatzmarkt auf Rang 6 unter den Generikanbietern rangiert. Der Konzern hat sich etabliert und 2011 eine Kooperation mit Lilly zur Vermarktung von Insulin in Indien geschlossen.

Ebenfalls erfolgreich im Ausland ist Dr. Reddy's. 2006 hatte das inhabergeführte Unternehmen den Augsburger Generikahersteller Betapharm für 480 Millionen Euro gekauft. Seit dem Tod von Firmengründer Dr. Kallam Anji Reddy im Jahr 2013 stehen sein Sohn Satish und sein Schwiegersohn G.V. Prasad an der Spitze.



Der kanadische Hersteller Apotex kommt auf 1,7 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Firmenchef Bernard C. Sherman ist mit seinem 1974 gegründeten Unternehmen reich geworden.

Auch die Stada gilt seit Jahren als Übernahmekandidat. 1,6 Milliarden Dollar entfallen auf das Generikageschäft – Rang 13 im globalen Ranking. Konzernchef Hartmut Retzlaff ist die Gallionsfigur. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag im vergangenen Jahr bis zum 31. August 2021.

Aurobindo kommt seit der Übernahme des Europageschäfts von Actavis weltweit auf 1,6 Milliarden Dollar. Gegründet 1986 von P.V. Ramaprasad Reddy und K. Nityananda Reddy, wurden 1992 neue Investoren gewonnen. Seit 1995 ist Aurobindo an der Börse gelistet. Heute sind in 15 Werken weltweit 6000 Mitarbeiter beschäftigt. Der indische Hersteller führt jetzt in Deutschland die Traditionsmarke Puren wieder ein.

Cipla kommt auf 1,5 Milliarden Dollar. Das Unternehmen wurde 1935 durch den Chemiker Dr. Khwaja Abdul Hamied gegründet, der Schüler von Mahatma Gandhi war. Hamied machte sich zur Aufgabe, wichtige Medikamente für jeden erschwinglich zur Verfügung zu stellen. Heute steht sein Sohn Dr. Yusuf K. Hamied, ebenfalls Chemiker, an der Spitze des mittlerweile börsennotierten Unternehmens und betreut zahlreiche Produktionsstätten. Mit Serroflo (Salmeterol/ Fluticason), einem Generikum zu Viani/Atmadisc, hatte sich das Unternehmen 2014 ein vergleichsweise anspruchsvolles Produkt für den Start in Deutschland ausgesucht.



Kamen früher die ersten Generika aus Island, sind die „frühen Vögel“ jetzt auf dem Balkan zu Hause. Krka hat sich mit Einführungen unmittelbar nach Patentablauf einen Namen gemacht. Der slowenische Hersteller wurde 1956 gegründet und ist heute börsennotiert. In den 1960er Jahren setzten die Slowenier erstmals einen Fuß in die Tourismusbranche. Zuletzt öffnete in Töplitz im Südosten Sloweniens die Therme Šmarješke mit einem Hotelkomplex und einem Wellnesscenter sowie unweit entfernt das Hotel Balnea. In Deutschland ist Krka mit TAD vertreten. Die Slowenier hatten die Firma mit Sitz in Cuxhaven im November 2007 für 97 Millionen Euro von Familie Wesjohann übernommen, der Deutschlands größter Geflügelkonzern PHW (Wiesenhof, Bruzzler) gehört.

Der US-Konzern Valeant mit Steuersitz in Kanada kommt auf 1,2 Milliarden Dollar Umsatz mit Generika. Der Konzern war zuletzt wegen seiner Vertriebspraktiken in die Schlagzeilen geraten und hatte eine Provisionsvereinbarung mit Walgreens geschlossen.

Auf jeweils 1,2 Milliarden Dollar kommen die letzten drei der Top 20: der indische Hersteller Zydus Cadila, der US-Hersteller Par Pharmaceuticals sowie der japanische Marktführer Nichi-Iko.