Gesundheitsdienstleistungen

Deloitte: Supermarkt statt Arztpraxis

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München -

Der Einzelhandel hat einen Blick auf die Gesundheitsversorgung geworden, dm und Kaufland haben den Anfang gemacht. Bei Unternehmensberatern kommt das gut an: Deloitte erklärt, dass laut einer aktuellen Befragung rund ein Drittel der Deutschen mit der allgemeinen medizinischen Versorgung unzufrieden ist. Die Gründe lägen aber nicht etwa in der Qualität, sondern in der Verfügbarkeit: Während die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen steige, würden Krankenhäuser, Arztpraxen und Apotheken zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Insbesondere seien die langen Wartezeiten auf Termine in Praxen ein Grund für die Unzufriedenheit. In der Folge könnte sich eine Mehrheit von rund 60 Prozent auch vorstellen, künftig ausgewählte Gesundheitsleistungen bei Händlern wie Supermärkten oder Drogerien in Anspruch zu nehmen. Größter Vorbehalt seien Bedenken bezüglich der Qualität der medizinischen Dienstleistung.

Die Befragung von 1000 deutschen Konsumenten im Februar habe gezeigt, dass der deutsche Gesundheitsmarkt vor erheblichen strukturellen Engpässen stehe, so Deloitte: Eine Mehrheit der Befragten könne sich daher vorstellen, dass der Einzelhandel hier Abhilfe schaffen könnte, zum Beispiel durch Angebote von Gesundheitsdienstleistungen wie Augentests oder Blutabnahmen. Besonders Drogerien würden laut Studie von 39 Prozent als geeigneter Rahmen angesehen, gefolgt von Einkaufszentren mit 25 Prozent und Supermärkten mit 17 Prozent.

Rund ein Drittel habe allerdings auch angegeben, solche Angebote weiterhin ausschließlich in Arztpraxen annehmen zu wollen, was weiteres Potenzial, aber auch den Bedarf an noch zu leistendem Vertrauensaufbau zeige. Hauptanreize des Einzelhandels seien Faktoren wie kürzere Wartezeiten mit 47 Prozent, die Nähe zu üblichen Wegen mit 35 Prozent und einfache Terminvereinbarung mit 34 Prozent. Diagnostische Leistungen wie Augen- oder Hauttests würden dabei mit 43 Prozent bevorzugt gegenüber dem Kauf von rezeptfreien Medikamenten mit 29 Prozent und telemedizinischen Beratungen mit 27 Prozent.

„Eine hohe Kundenorientierung ist in der Branche von je her entscheidend, damit könnte der Einzelhandel auch im Gesundheitsbereich überzeugen“, sagt Egbert Wege, Einzelhandelsexperte und Partner bei Deloitte.

Bedenken über die Qualität

Der Erfolg von Gesundheitsservices im Einzelhandel hänge dabei maßgeblich von der wahrgenommenen Professionalität ab. So habe mit 48 Prozent fast die Hälfte der Befragten, die solche Angebote nicht nutzen wollten, Bedenken bezüglich der Qualität der Dienstleistung. Ein genereller Mangel an Vertrauen spiele mit 16 Prozent und Bedenken hinsichtlich der Hygiene mit 13 Prozent dagegen eine nachgelagerte Rolle.

„Einzelhändler sind gut beraten, eng mit dem ersten Gesundheitsmarkt zu kooperieren, um glaubwürdige Qualitätssignale zu senden – etwa durch Partnerschaften mit Fachärzt:innen oder zertifizierten Anbietern und mit klar definierten Ausbildungsstandards für das Personal“, sagt Wege. „So kann es gelingen, das Beste beider Branchen im Sinne der Gesundheitsversorgung der Menschen zusammenzuführen.“

52 Prozent der Interessierten würden laut Deloitte sogar ihr übliches Geschäft wechseln, um eine Gesundheitsdienstleistung im Einzelhandel wahrzunehmen und gleichzeitig ihren Einkauf zu erledigen. Zudem hätten die Verbraucher großes Interesse an der Erweiterung des Sortiments um Nahrungsergänzungsmittel (45 Prozent), Naturheilmittel (43 Prozent) oder medizinische Hilfsmittel wie Lesebrillen oder Inhalatoren (37 Prozent) in direkter Nähe zu den Gesundheitsservices. „Durch hochwertige, vertrauenswürdige Gesundheitsangebote können sich Einzelhändler vom Wettbewerb abheben, neue Kundenströme anziehen und ihr Sortiment erweitern“, so Wege.

OTC im Handel

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam kürzlich auch die Beratungsfirma Sempora. Dabei wurden rund 1000 Verbraucherinnen und Verbraucher befragt, bei welchen Händlern sie mit Blick auf die Bestellung von OTC-Medikamenten die höchste Gesundheitskompetenz erwarten würden: Nach Shop Apotheke und DocMorris kam die Drogeriekette dm, dann folgten Medikamente-per-Klick und Apodiscounter, bevor Rewe, Amazon, Rossmann, Aldi und Müller genannt wurden.

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