Apothekenfranchise

Celesio verprellt DocMorris-Partner

, Uhr
Berlin -

Die Verkaufspläne für DocMorris haben die 160 Franchise-Apotheker in Deutschland offenbar kalt überrascht. Eine offizielle Stellungnahme von Celesio oder seitens der DocMorris-Geschäftsführung haben nicht alle Apotheker erhalten. Einige reagieren verärgert, andere fragen sich einfach, wie es nun weitergehen soll.

 

„Von den Verkaufsplänen habe ich erst bei n-tv erfahren“, sagt Falko Schwarz, der eine DocMorris-Apotheke in Berlin betreibt. „Das halte ich für schlechten Stil.“ Schwarz gehört seit 2007 DocMorris an und hat in dieser Zeit durchwachsene Erfahrungen gemacht. „Am Anfang gab es einen ganz schönen Boom. Der Name DocMorris hat einfach gezogen“, erinnert sich Schwarz.

Im Laufe der Zeit habe die Begeisterung der Kunden jedoch spürbar nachgelassen. „Die Kundenzahlen sind deutlich zurückgegangen. Das hohe Werbebudget ist aber geblieben“, sagt Schwarz. Vor seinem Einstieg bei DocMorris habe man ihm vorgerechnet, wie toll alles sei. Rückblickend habe er sich davon wohl blenden lassen. „Heute würde ich es nicht mehr machen. Die Kosten kann man sich auch sparen“, erklärt Schwarz.

Ähnlich wie Schwarz sieht auch Claus Niemeyer von der DocMorris-Apotheke in Elmshorn die Situation: „Wir sind ein bisschen verärgert. Zur Information hätte doch auch schon ein Fax gereicht.“ Niemeyer und seine Frau betreiben ihre Apotheke ebenfalls seit 2007. Sie sorgen sich um ihre Existenz: „Wir werden nun innerhalb von fünf Jahren zum zweiten Mal verkauft. Das haben wir uns so nicht vorgestellt,“ sagt Niemeyer. Aus heiterem Himmel kommt die Entscheidung für die Niemeyers aber nicht: „Mit Celesio bestand immer die Gefahr, dass früher oder später auf die Gehe-Geschäftsinteressen Rücksicht genommen wird.“

 

 

An anderer Stelle befürchtet man durch den geplanten Verkauf ein Markenproblem: „Wir wissen nicht, wie solch eine Trennung aussehen soll“, sagt Christopher Stavermann, der eine Apotheke in Münster leitet. Er bemängelt auch strategische Fehlentscheidungen bei DocMorris und Celesio. „Celesio hat den Unterschied zum Versand nie richtig kommuniziert“, so sein Fazit. Und die Unterstützung für die Apotheker hätte auch stärker ausfallen können: „Insgesamt betrachtet waren unsere Konditionen zuletzt auch nicht viel besser als bei normalen Apotheken."

Die Besitzerin der ersten deutschen DocMorris-Franchiseapotheke in St. Wendel reagiert gefasst auf die neue Situation. „Ich wurde von der DocMorris-Geschäftsführung über die Verkaufspläne informiert“, sagt Antoinette Angel. Sie glaube nicht, dass sich daraus unbedingt negative Folgen für die Vor-Ort-Apotheken ableiten lassen. „Jetzt wird zwar ein Käufer für die Versandapotheke gesucht, aber wie sich das auf die Franchise-Apotheken auswirken wird, das wissen wir noch gar nicht.“

Möglicherweise habe die Trennung von Versand und Franchise ja auch etwas Gutes. „Im deutschen Apothekenmarkt hat der Verkauf über verschiedene Kanäle einfach nicht funktioniert. Die Apotheker sind noch nicht bereit dafür“, sagt Angel. Ihre Entscheidung, mit DocMorris zusammenzuarbeiten, bereut sie jedoch nicht: „Ich würde es jederzeit wieder machen.“

 

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Am Rande der Gesundheitsministerkonferenz
Lauterbach stellt sich streikenden Pflegekräften
Rund sechs Prozent der Studienplätze
Thüringen beschließt Landarztquote
Mehr aus Ressort
Wechsel des Großhändlers
Elac: Phoenix ist ein „Thema“
Zusätzlicher Produktionsstandort
Lohnhersteller Vetter baut im Saarland

APOTHEKE ADHOC Debatte