Pharmakonzerne

Abnehmspritzen: Lilly hängt Novo Nordisk ab

, Uhr
Berlin -

Im Milliardengeschäft mit Gewichtssenkern läuft der US-Pharmakonzern Eli Lilly seinem direkten Konkurrenten Novo Nordisk aus Dänemark immer weiter davon. Lilly glänzte am Mittwoch mit der Prognose für 2026, die von einem neuerlichen Sprung bei Erlös und Gewinn ausgeht. Die Skandinavier dagegen schockten die Börse mit einer Umsatzwarnung wegen des zunehmenden Preisdrucks für seine Abnehmmittel Wegovy und Ozempic. Novo-Aktien brachen auf die Nachrichten hin zur Wochenmitte zeitweise um fast ein Fünftel ein, dagegen ging es für das Lilly-Papier im frühen US-Handel um 10 Prozent nach oben.

Während Lilly mit seiner 2026er-Prognose und den Resultaten im Schlussquartal die durchschnittlichen Analystenerwartungen übertraf, enttäuschte Novo Nordisks Jahresziel auf ganzer Linie. Die Prognose der Dänen impliziere, dass bereinigter Umsatz, operatives Ergebnis und Ergebnis je Aktie um 7 bis 10 Prozent unter den jeweiligen Konsensschätzungen liegen dürften, kalkulierte etwa Graham Parry von der Citigroup.

Für 2026 rechnet CEO Maziar Mike Doustdar nun währungsbereinigt mit einem Umsatzrückgang von 5 bis 13 Prozent. Das Management verwies zur Begründung unter anderem auf das Auslaufen von Patenten für seinen Diabetes- und Abnehmwirkstoff Semaglutid in einigen Märkten. Für Novo wäre es der erste Umsatzrückgang seit fast einem Jahrzehnt.

Zudem wird das US-Geschäft der Dänen durch die Einigung des Konzerns mit der Trump-Administration getroffen, die Preise für ihre wichtigsten Blockbuster-Medikamente zu senken. Doustdar sprach am Mittwoch in einer Telefonkonferenz von einem „nie dagewesenen Preisdruck“.

Prognose besser als erwartet

Völlig entgegengesetzt äußerte sich dagegen Lilly-Chef David Ricks bei der Vorlage seiner Ziele für das neue Jahr. Er erklärte zur Wochenmitte, der Konzern sei derzeit mit seinem Portfolio so gut positioniert, dass er so viele Patienten erreichen könne wie noch nie. 2026 will Ricks den Umsatz auf 80 bis 83 Milliarden Dollar steigern – das wäre im besten Fall ein Plus von mehr als einem Viertel im Vergleich zu 2025. Von Bloomberg befragte Analysten hatten für das neu angelaufene Jahr bislang knapp 78 Milliarden Dollar auf dem Zettel.

Für die Dänen ist der glänzende Ausblick des Konkurrenten eine besondere Schmach: Novo Nordisk war ursprünglich als erster Hersteller mit seinen Gewichtssenkern am Markt und dominierte das Geschäft. Doch dann geriet der Konzern im Ringen mit Lillys Konkurrenzmitteln ins Hintertreffen, die als effektiver gelten. Zwar gab es im vergangenen Jahr vermehrt für beide Konzerne Schwierigkeiten, weil in den USA Apotheken und andere Hersteller unter Ausnutzung regulatorischer Schlupflöcher billigere Kopien der Abnehmmedikamente auf den Markt brachten. Doch hatte sich Lilly proaktiver gegen die Konkurrenz durch Zubereitungen gewehrt.

Im November einigte sich Novo Nordisk mit der US-Regierung dann auf deutliche Preissenkungen für seine Blockbuster wie Wegovy und Ozempic, die unter anderem im Rahmen staatlicher Gesundheitsprogramme gelten sollen. Auch Lilly unterzeichnete eine entsprechende Vereinbarung.

Ricks erwartet aber sogar, dass der Markt für Medikamente gegen krankhaftes Übergewicht in diesem Jahr dank der Einigung mit der US-Regierung noch weiter wachsen wird. Diese hat zugestimmt, die Kosten für die Mittel Medikamente für mehr Patienten im Rahmen des staatlichen Gesundheitsprogramms Medicare für für ältere Menschen zu übernehmen. Die Amerikaner sind zudem in einer vergleichsweise stärkeren Position als Novo, da ihre Blockbuster Mounjaro gegen Diabetes und Zepbound gegen Fettleibigkeit noch ein weiteres Jahrzehnt lang patentgeschützt sind.

Auf Spritze folgt Tablette

Bei Novo Nordisk läuft unterdessen ein tiefgreifender Umbau. Doustdar, der seit August an der Spitze steht, hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt den Abbau von rund 9000 Stellen angekündigt. Der Manager hat daneben die Entwicklung neuer Medikamente zum wichtigsten Ziel erklärt. Große Hoffnungen setzt er auf die Wegovy-Pille, die in den USA Ende 2025 zugelassen wurde. Hier gebe es bereits 170.000 weitestgehend neue Verwender, sagte er am Mittwoch vor Journalisten. Allerdings ist Konkurrent Lilly mit einer eigenen Abnehmtablette bereits dicht auf den Fersen – der Konzern hofft auf grünes Licht in den USA in den nächsten Monaten.

Im vergangenen Jahr war der Erlös bei Lilly angetrieben durch seine Gewichtssenker um 45 Prozent auf 65,2 Milliarden Dollar (rund 55,2 Milliarden Euro) hochgeschnellt. Zum Vergleich: Novo Nordisks Erlös stieg lediglich um 6 Prozent auf gut 309 Milliarden dänische Kronen (rund 41,4 Milliarden Euro). Während bei den Dänen der Gewinn unter dem Strich um 1 Prozent auf 102,4 Milliarden Kronen anzog, verdiente Lilly 2025 mit 20,6 Milliarden Dollar fast doppelt so viel wie im Vorjahr.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
4 Milliarden Umsatzeinbußen
Novartis in der Generika-Falle
Mehr aus Ressort
Schlagabtausch mit Kammerpräsidentin
Heinrich: „Wir machen auch Testkäufe“
Punkten mit Produkteinführungen
Hartmann macht mehr Gewinn

APOTHEKE ADHOC Debatte