Tschechien

Rx-Boni raus, Rabattverträge rein

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In Tschechien dürfen Apotheken ab 2012 keine Rabatte, Boni und Werbegeschenke auf verschreibungspflichtige Medikamente mehr gewähren. Das Parlament in Prag verpflichtete die Pharmazeuten außerdem dazu, ein gesetzlich festgelegtes Beratungshonorar zu kassieren. Die Regierungskoalition will damit unabhängige Apotheken vor der Konkurrenz von Kettenkonzernen schützen - diese hatte mit dem Erlass von Honoraren und Rabatten um die Kunden geworben.

Die wirtschaftliche Situation kleiner Apotheken habe sich in den vergangenen Jahren zunehmend verschlechtert, so ein Sprecher der Apothekerkammer. Jede fünfte der 2500 tschechischen Apotheken gehöre derzeit zu einer Kette wie Dr. Max, Pharmaland (Phoenix) und Lloyds (Celesio). Die großen Konzerne hätten den Patienten günstigere Preise anbieten können, so der Sprecher.

Neben den Neuregelungen auf dem Apothekenmarkt sieht die Reform auch Sparmaßnahmen im Arzneimittelbereich vor. Ähnlich wie in Deutschland sollen ab dem kommenden Jahr für einzelne Wirkstoffe „Rabattverträge“ ausgeschrieben werden. Die Hersteller müssen sich in bei der Arzneimittelbehörde um die Erstattung ihrer Medikamente bewerben. Wer den Zuschlag bekommt, wird komplett erstattet. Die Produkte aller anderen Hersteller in der gleichen Wirkstoffgruppe sollen nur zu 75 Prozent von den Kassen getragen werden. Die Preise werden von der Arzneimittelbehörde auf Basis europäischer Referenzpreise festgelegt, nach 18 Monaten wird dieser Prozess wiederholt.

Allerdings nimmt die von der rechts-konservativen Regierung ins Rollen gebrachte Reform auch Patienten in die Pflicht: Der gesamte Leistungskatalog der Krankenkassen soll überarbeitet werden. Viele Kassenleistungen sollen demnach künftig mit Hilfe von Zusatzbeiträgen der Versicherten abgedeckt werden. Gesundheitsminister Leos Heger verteidigte die Reform im Parlament: „Wir wollen den Patienten nicht das Geld aus der Tasche ziehen, aber wir müssen uns eingestehen, dass das Gesundheitssystem teurer wird“, sagte der konservative Politiker.

Der Senat muss dem Gesetz nun zustimmen. Oppositionspolitiker haben zudem eine Klage vor dem Verfassungsgericht angekündigt.

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