Tschechien

Kliniken droht Ärzte-Notstand

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Wegen einer Kündigungswelle der Ärzte droht vielen tschechischen Krankenhäusern der Kollaps. Aufgrund schlechter Bezahlung haben fast 20 Prozent aller Klinikärzte ihren Arbeitgebern gekündigt und angedroht, das Land zu verlassen. Während Gesundheitsminister Leos Heger den Medizinern nicht entgegenkommen will, hat sich hierzulande schon ein Kooperationspartner gefunden - der Marburger Bund will den tschechischen Ärzten bei der Arbeitssuche in Deutschland helfen.

Unter dem Motto „Danke, wir gehen!“ machen die tschechischen Krankenhausärzte bereits seit einigen Monaten auf die Unterfinanzierung des Gesundheitssystems aufmerksam. Die Zahlen geben ihnen Recht: Im Vergleich zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum seien die Ausgaben für die Gesundheitsversorgung zwischen 1998 und 2008 unterdurchschnittlich langsam angestiegen, heißt es im OECD-Gesundheitsbericht. Tschechien gibt derzeit rund 3 Prozentpunkte des Bruttoinlandsproduktes (BIP) weniger aus als beispielsweise Deutschland.

Auch die Honorare der rund 19.000 Krankenhausärzte Tschechiens liegen weit unter denen der Anrainerstaaten. Der Bruttoverdienst angestellter Fachärzte in Tschechien liegt laut Ärztegewerkschaft (LOK-SCL) derzeit umgerechnet zwischen 1000 und 3000 Euro. Schon im ersten Jahr verdiene ein Facharzt an einer deutschen Universitätsklinik mehr als das Fünffache. Die Gewerkschaft fordert von der Politik daher deutliche Lohnerhöhungen.


Von rund 17.000 Krankenhausärzten haben bereits mehr als 4000 gekündigt. Nach Ablauf der gesetzlichen Kündigungsfrist von zwei Monaten droht vielen Krankenhäusern im März und April daher ein erheblicher Personalmangel. Das Gesundheitsministerium in Prag hat eine Erhöhung der Honorare jedoch ausgeschlossen. Im Falle einer Massenabwanderung hat sich Heger für die Einrichtung von Notfallzentren ausgesprochen. In besonders stark betroffenen Regionen solle zudem der Notstand ausgerufen werden - dieser würde die Mediziner mit Androhung einer Geldstrafe von bis zu 2000 Euro zur Arbeit verpflichten.

Beliebtestes Zuwanderungsland bei tschechischen Ärzten ist Deutschland. Bereits seit Jahren besteht zwischen der tschechischen Ärztegewerkschaft und dem Marburger Bund eine enge Kooperation. „Wir sind solidarisch mit den Kollegen aus Tschechien“, so Armin Ehl, Hauptgeschäftsführer des Marburger Bundes. Bislang seien aber noch keine Mediziner eingewandert.

Auch organisatorisch stehe einer vermehrten Zuwanderung von tschechischen Medizinern nichts im Wege. Eine EU-Richtlinie regelt die gegenseitige Anerkennung von ärztlichen Diplomen zwischen Mitgliedsstaaten. Ergeben sich keine sprachlichen Bedenken, können die Ärzte in Deutschland also problemlos ihre Approbation erlangen. Auch die Arbeitssuche dürfte sich einfach gestalten. „Alle eingewanderten tschechischen Ärzte können sich an den Marburger Bund wenden“, erklärt Ehl und fügt hinzu: „Schließlich gibt es in Deutschland derzeit etwa 5000 zu besetzende Arztstellen“.

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