Griechenland

Gröhes griechischer Kollege

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Berlin -

Mit dem Regierungswechsel hat Griechenland auch einen neuen Gesundheitsminister: Dr. Panagiotis Kouroumplis – Sozialwissenschaftler, Rechtsanwalt und früherer Straßenkämpfer. Der 1951 geborene Parlamentssprecher des regierenden Linksbündnisses Syriza engagierte sich früh in Studenten- und Behindertenrechts-Bewegungen. Jetzt will der schon im Kindesalter erblindete Politiker Korruption und Steuerflucht im Gesundheitswesen bekämpfen und Wohlfahrt fördern.

Steuervermeidung und Steuerflucht seien zwei Hauptübel, sagte Kouroumplis dem Tagesspiegel. Die vergangene Regierung habe dagegen nichts unternommen, sei aber von der Troika nicht gerügt worden. „Ich habe gute Gründe anzunehmen, dass es eine Abmachung mit den Oligarchen, den Superreichen, gab, sie nicht anzutasten“, so Kouroumplis. Das werde sich jetzt ändern. „Auch im Gesundheitsbereich gibt es große Pharmaunternehmen, die kaum Steuern zahlen.“

Das drängendste Problem sei aber der fehlende Zugang zum Gesundheitssystem für zahlreiche Menschen. Ein Drittel der Griechen sei inzwischen ohne Krankenversicherung. Der neue Regierungschef Alexis Tsipras hatte bereits angekündigt, unversicherten Arbeitslosen einen kostenlosen Zugang zu Ärzten und Medikamenten zu gewähren.

Kouroumplis kritisierte außerdem Vorurteile in Deutschland, die Griechen seien an ihrem Elend selbst schuld. Dabei seien es die politischen und wirtschaftlichen Eliten, nicht die Bürger, die jetzt aber dafür zahlen müssten. Selbst der internationale Währungsfonds habe bestätigt, dass die Austeritätspolitik das falsche Rezept gegen die Krise gewesen sei.

Kouroumplis ist bekannt für sein Engagement im Bereich Wohlfahrt und Menschenrechte. Für seine sozialen und politischen Bemühungen für einen effektiven Sozialstaat und eine humane Gesellschaft wurde er mehrmals ausgezeichnet.

Mit zehn Jahren verlor er sein Augenlicht durch eine Handgranate, ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. In den 70er Jahren kämpfte er in Studenten- und Volksbewegungen und engagierte sich in einer Blindenrechtsbewegung. Eigenen Angaben zufolge ist er Gründungsmitglied der Welt-Blinden-Union und der Europäischen-Blinden-Union.

Zwischen 1993 und 1996 war er als Generalsekretär für Wohlfahrt im Ministerium für Gesundheit und engagierte sich vor allem in den Bereichen Kinderschutz , Pflege für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen. Seit 2009 ist er Mitglied im griechischen Parlament. Im Juni 2011 wurde er aus Griechenlands sozialdemokratischer Partei PASOK ausgeschlossen, nachdem er gegen das Halbzeitsparprogramm gestimmt hatte. Er schloss sich später Syriza an.

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