USA

Apotheker im Hungerstreik

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Ein US-Apotheker verzichtet seit mehr als drei Wochen auf das Essen. Vor fünf Jahren wurde Raj Bhat bei der Versandapotheke Medco gekündigt, nun will er mit einem Hungerstreik auf angeblich unethische Vorgaben des Medco-Managements aufmerksam machen. Medco streitet die Vorwürfe ab und verweist stattdessen auf die unzureichende Arbeitsleistung des Pharmazeuten.

Laut Bhat verpflichtet Medco Apotheker, pro Stunde mindestens 45 Rezepte zu bearbeiten. Für PTA liege die Vorgabe bei mindestens 130 Rezeptbearbeitungen. Die Quotenvorgabe sei seit der Ausgliederung von Medco aus dem Merck-Imperium gestiegen: 2002 hätten Medco-Apotheker stündlich rund 30 Rx-Verordnungen bearbeitet. Anschließend sei die Vorgabe schrittweise erhöht worden. „In wöchentlichen Managementmeetings wurden wir über die neuen Quoten informiert“, sagte Bhat gegenüber APOTHEKE ADHOC.

Rückfragen bei Ärzten seien kaum möglich, kritisiert Bhat. In einigen Regionen zahle Medco sogar Boni, wenn Pharmazeuten auf entsprechende Anrufe verzichteten. Wer die Quote dagegen nicht erfülle, dem drohe die Kündigung, so Bhat. Mit dem Zeitdruck habe zudem die Fehlerzahl zugenommen: Im Jahr 2002 seien auf eine Million bearbeitete Rezepte 25 Abgabefehler gekommen, 2004 waren es 300.

Bei Medco weist man Bhats Vorwürfe zu Quoten und Fehlerzahlen von sich: „Die Streitpunkte und Vorwürfe von Herrn Bhat wurden sorgfältig von Floridas Apothekerkammer und Medcos Ethikabteilung untersucht und für wertlos und unbegründet befunden“, sagte eine Unternehmenssprecherin gegenüber APOTHEKE ADHOC.

Da Bhat mit seinen Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen sei, teile man mit, dass seine Kündigung ausschließlich auf Grund seiner schlechten Arbeitsleistung erfolgt sei. Zudem habe sich der Apotheker geweigert, die Betriebsanweisungen einzuhalten, so die Sprecherin. Mehrfache Abmahnungen seien erfolglos gewesen. Anstelle von Quoten oder Vorgaben für die Rezeptbearbeitung nutzt Medco nach eigenen Angaben innovative Technik, um die Abgabe zu automatisieren.

Bhat, der zehn Jahre bei der Versandapotheke gearbeitet hat, mag dieser Argumentation nicht folgen: Er will erneut gegen Medco vor Gericht ziehen. Seine erste Klage war bereits beim Bezirksgericht abgelehnt worden. Der Hungerstreik sei eine der wenigen weiteren Optionen, die ihm blieben, so der Apotheker. Hunderte Menschen hätten ihn bereits kontaktiert, darunter auch ein Ermittler des Finanzkomitees des US-Senats.

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