Die elektronische Patientenakte (ePA) hat es in der breiten Bevölkerung nach wie vor schwer. Die meisten Versicherten haben inzwischen von ihr gehört, Praxen befüllen sie, aber aktiv genutzt wird sie von den wenigsten. Um den Kund:innen im Hinblick auf die ePA zu helfen, hat sich Apothekerin Daniela Hänel mit ihrer eigenen Akte auseinandergesetzt und ist dabei auf noch viele Hürden und Probleme gestoßen. Wie soll man da gerade den älteren, multimorbiden Patient:innen das System verständlich machen?
Etwa fünf Millionen Gesundheits-IDs, die für das Log-in in die ePA-App zwingend notwendig sind, wurden bisher ausgestellt. Eine davon hat sich die Inhaberin der Linda-Apotheke in der Nordvorstadt im sächsischen Zwickau besorgt, um Zugriff auf ihre eigene Akte zu bekommen.
Ganz einfach war das nicht: Die Krankenkassen-App und die passende ePA-App müssen heruntergeladen werden, man muss sich identifizieren, braucht einen Sicherheitsschlüssel für die Akte, verschiedene Codes, PINs und vor allem die Gesundheits-ID, beschreibt Hänel ihre ePA-Odyssee: „Ich habe jetzt den ‚Spaß‘ durchgezogen und dafür circa 30 Minuten gebraucht – aber nur, weil ich aber alle dafür benötigten Daten und Codes beisammen hatte, also nichts mehr anfordern musste.“ In die Beschaffung der notwendigen Nummern sei schon vorab viel Zeit geflossen.
Nachdem sie selbst als Versicherte also einigen Aufwand in Kauf genommen hat, um selbst Einblick zu bekommen, folgt die nächste Irritation: In ihrer eigenen Akte findet sie Behandlungsdaten, die sich erst nach aufwändiger Recherche erklären lassen. Denn das abrechnende MVZ hat inzwischen einen anderen Namen.
Dies als Patientin herauszubekommen, schien nahezu unmöglich. Die Kassen können nicht helfen, da sie selbst keinen Zugriff auf die ePA-Daten haben. Ans Telefon geht ein KI-Assistent, dann wird eine E-Mail an den Ombudsmann gefordert – „da muss ich doch als Patientin davon ausgehen, dass das eine Datenpanne ist“, so Hänel. „Wie sollen die älteren Patienten das hinbekommen mit der ePA?“
Trotzdem sei die Auseinandersetzung mit dem Thema wichtig: „Ich können als Apotheken zeigen, wie die Leute mit der ePA umgehen. Ich mache mir ja Gedanken, was die Apotheke vor Ort noch leisten könnte. So können wir Hilfe leisten, indem wir das selbst mal testen und dann erklären können.“ Dass der Blick in die eigene ePA sie dann selbst so in die Irre führen würde, hatte sie nicht erwartet. Bei diesen vielen Fallen und Missverständlichkeiten dann das Ganze technik-unaffinen Menschen beschreiben zu können, sei eine Herausforderung.
Somit sei die Zurückhaltung bei der ePA aus Versichertensicht nachvollziehbar: „Es kommt ja nicht in Fahrt, wenn das so wenige nutzen“, meint Hänel, dabei sei die Apotheke als niedrigschwellige Anlaufstelle eigentlich ideal. Würden die Apotheken mehr eingebunden, könnte man das Projekt gut vorantreiben, meint die Inhaberin – beispielsweise durch das Hochladen von Medikationsplänen und dem anschließenden Erkennen von möglichen Wechselwirkungen.