In den Arztpraxen werden die elektronischen Patientenakten (ePA) fleißig gefüllt, in den Apotheken kann inzwischen zumindest Einsicht genommen und besser auf Wechselwirkungen hingewiesen werden. Die Zahl der aktiven Nutzer auf der Patientenseite bleibt aber nach wie vor gering, wie eine Umfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) ergeben hat.
Das RND fragte bei mehreren Krankenkassen nach, wie die Patient:innen inzwischen die ePA angenommen haben. Die befragten Kassen decken demnach zusammen mehr als die Hälfte aller GKV-Versicherten ab. Der Anteil der aktiven Nutzer gemessen an der Zahl der angelegten E-Akten habe sich dieser Abfrage zufolge seit Juli 2025 lediglich um einen Prozentpunkt auf jetzt 3,6 Prozent erhöht. Die verpflichtende Befüllung seit Oktober 2025 hat somit nur zu geringfügig größerem Interesse geführt.
Und so sieht es bei den einzelnen Kassen aus: Bei der Techniker Krankenkasse (TK) mit etwa 11,5 Millionen angelegten ePA wird diese nur von 850.000 Versicherten aktiv genutzt, 100.000 mehr als es noch im Juli der Fall war. Bei der Barmer (acht Millionen ePA) sind 440.000 Versicherte aktiv in ihrer ePA (190.000 mehr als im Sommer). Bei den elf Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK, 26 Millionen ePA) können etwa 365.000 Versicherte auf die ePA zugreifen (165.000 Versicherte mehr).
Beim Zugriff auf ihre ePA können Versicherte die dort von den Ärzten hinterlegten Behandlungsdaten und verordneten Arzneimittel einsehen, festlegen, welche Ärzt:innen auf welche Daten sehen, und sehen, was Ärzt:innen mit der Krankenkasse abgerechnet haben.
Doch nicht nur der Zugang der für die Akte benötigten Gesundheits-ID ist beschwerlich für Versicherte, auch die ePA-Anwendungen selbst haben immer wieder noch mit Störungen zu kämpfen. So gab es erst heute wieder die Meldung, dass es bei der ePA einen Teilausfall gibt. So hätten laut Gematik am Vormittag alle am System Beteiligten – Behandelnde wie Versicherte – Probleme, überhaupt auf die Akten zuzugreifen. Grund seien Probleme beim ePA-Aktensystem-Dienstleister Bitmarck gewesen. Gegen Mittag galt die morgendliche Störung als behoben.
Solche Teilausfälle seien für Betreiber sehr ärgerlich, betont Bitmarck im Nachgang, „und wir sorgen jeweils möglichst schnell wieder für eine reibungslose Performance“. „Zu betonen ist: Insgesamt betrachtet ist die Bitmarck-ePA äußerst stabil – die Verfügbarkeit lag in den Monaten September, Oktober und November bei durchschnittlich 99,8 Prozent.“
Die bisher schwache Nutzung durch die Patient:innen war von den Betrachtern auf der technischen Seite wohl auch erwartet worden: „Wir bauen die ePA für unsere Kinder.“ Im ersten Jahr würde die ePA vermutlich ohnehin von den meisten Menschen nur passiv genutzt werden „und das ist vollkommen okay“, prognostizierte Benjamin Neidhold, der den ePA-Start bei Pharmatechnik begleitete, schon Ende 2024.
Die Gematik freut sich hingegen über die Zahlen auf der „Befüller-Seite“: 19 Millionen Abrufe von Medikationslisten, 2,7 Millionen Dokumenten-Uploads, 1,65 Millionen Dokumenten-Downloads und 114.000 teilnehmende Einrichtungen habe es Stand Anfang Dezember bereits gegeben. „Die ePA kommt in der Versorgung an – das zeigt sich nicht nur an den Zahlen, sondern vor allem im Praxisalltag“, so Gematik-Geschäftsführer Florian Fuhrmann.
Das Feedback aus den Praxen helfe enorm, „denn es zeigt, wo die ePA bereits gut funktioniert und wo wir nachschärfen müssen“. Die ePA werde kontinuierlich weiterentwickelt und ihre Verlässlichkeit gesichert, so Fuhrmann weiter. Auch die von den Ärzt:innen lang ersehnte Volltextsuche soll in diesem Jahr kommen.
Wenig zufrieden ist hingegen weiterhin der Chaos Computer Club (CCC) mit der ePA: Expertin Bianca Kastl blickte kürzlich beim CCC-Kongress erneut auf die Baustellen und monierte, dass die Sicherheitsprobleme auch ein Jahr nach ePA-Einführung weiterhin nicht ausgeräumt werden konnten. Mangelnde Erreichbarkeit – sie errechnete eine Down-Time von 14,5 Tagen im Jahr – und auch das Chaos bei elektronischen Heilberufeausweisen (eHBA) und Institutionskarten (SMC-B) hätte Auswirkungen auf die Sicherheit der ePA. Auch der Zugriff über Praxisverwaltungssysteme (PVS) sei sicherheitstechnisch mehr als fragwürdig.
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