APOTHEKE ADHOC Umfrage

Apotheker sehen keinen Apothekenmangel

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Berlin -

Apothekenschließungen in Deutschland sind für die Bevölkerung je nach Standort mehr oder weniger gravierend. Verliert ein kleiner Ort die einzige Apotheke, trifft das den Einzelnen womöglich hart. In Innenstadtlagen wird dagegen womöglich kaum jemand die zehnte Betriebsstätte vermissen. Die Apotheker selbst haben eine differenzierte Meinung zu dem Thema.

45 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage von APOTHEKE ADHOC sehen keine Versorgungsprobleme: 9 Prozent finden die Apothekendichte „viel zu hoch“, die Hälfte der Apotheken sei überflüssig. Weitere 36 Prozent schätzen das Niveau als „eher hoch“ ein, in den Städten gebe es sogar Überkapazitäten.

Auf der anderen Seite gaben 24 Prozent an, die Situation sei „insgesamt ok“ – auch wenn es Versorgungslücken gebe. 10 Prozent halten die Zahl der Apotheken für „gerade noch ausreichend“. Sie sehen aber eine schlechte Tendenz in der Entwicklung. 1 Prozent ist sicher: Die Apothekendichte ist „zu niedrig, vielerorts fehlen Apotheken“.

18 Prozent sind der Überzeugung, es gebe weder eine Über- noch eine Unterversorgung. Die Apothekendichte sei „genau richtig, denn das regelt der Markt“. 2 Prozent hatten keine Meinung. Am 24. und 25. November 2015 nahmen 206 Leserinnen und Leser von APOTHEKE ADHOC an der Umfrage teil.

Schon vor zwei Jahren hatte der damalige gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn (CDU), eine „differenzierte Debatte über das Thema“ gefordert. Nur ganz gezielt könne es Maßnahmen geben; eine flächendeckende Unterstützung lehnt er ab: „Wenn am Marktplatz die zehnte Apotheke öffnet, dann kann es dafür keine Bestandsgarantie geben.“

Nach Zahlen des Johann Heinrich von Thünen-Instituts hat unter den größeren Städten das niedersächsische Osnabrück die größte Apothekendichte, während die Metropolen Berlin, Hamburg und München nicht einmal in den Top 20 liegen. Gemäß der Statistik verfügen rund 50 Städte in Deutschland über 50 Apotheken oder mehr. Die Liste deckt sich inhaltlich fast vollständig mit dem Ranking der größten Städte nach Bevölkerung. Doch bei der Reihenfolge innerhalb dieser Listen gibt es spürbare Abweichungen, weil die Apothekendichte deutlich variiert.

Demnach ist Osnabrück unter den berücksichtigten Städten am besten mit Apotheken versorgt. Auf jede Offizin kommen hier nur rund 2400 Einwohner. Auch Mainz (2800) und Bonn (2860) weisen eine überdurchschnittlich hohe Apothekendichte auf. Die ehemalige Bundeshauptstadt ist mit rund 310.000 Einwohnern die größte Stadt in den Top 10 bei der Apothekendichte. Dazu zählen außerdem Saarbrücken, Ludwigshafen, Heidelberg, Kassel, Mannheim, Halle/Saale und Wiesbaden. Jeweils 2900 bis 3000 Einwohner werden hier pro Apotheke versorgt.

Berlin mag sich mit seinen 3,4 Millionen Einwohnern als die einzige Metropole der Republik rühmen. Doch unter den zehn größten Städten in Deutschland ist die Apothekendichte in der Hauptstadt am niedrigsten (3940). Hamburg (3870) und Köln (3860) stehen kaum besser da. An der Spitze dieser Tabelle sind Hannover und Düsseldorf (je 3200), gefolgt von München (3380). Mit Abstand folgen Frankfurt, Essen, Stuttgart und Dortmund mit Werten zwischen 3670 und 3780 Einwohnern pro Apotheke. Auffällig: Keine dieser Großstädte gehört zu den zehn bestversorgtesten der Republik.

Schlechter als in Berlin unter den Städten mit mindestens 50 Apotheken ist die Apothekendichte nur in Wuppertal und Oberhausen im Ruhrgebiet sowie am Tabellenende Dresden. In der sächsischen Landeshauptstadt versorgt jede Apotheke statistisch 4460 Menschen.

Im Mittelfeld mit einer Apothekendichte zwischen 3060 und 3650 liegen Städte wie Freiburg, Braunschweig, Kiel, Aachen Oldenburg, Krefeld, Bochum, Augsburg, Hamm, Nürnberg, Karlsruhe, Gelsenkirchen, Chemnitz, Mönchengladbach, Lübeck und Hagen. Unter den Städten mit mindestens 50 Apotheken die geringste Apothekendichte haben – außer den genannten – Bielefeld, Bremen, Duisburg, Magdeburg, Erfurt und Rostock.

Etwas anders sieht das Ranking aus, wenn man die Apotheken pro 10 km² zählt. Demnach ist es in München mit rechnerisch 13,4 Apotheken am gedrängtesten. Auch in Berlin (9,7), Düsseldorf (8,6) und Hannover (7,9) sind die Wege zur nächsten Apotheke eher kurz – was je nach Stadtteil allerdings stark variiert. Viel Platz gibt es dagegen in Erfurt mit zwei Apotheken auf 10 km², in Hamm (2,3), Lübeck (2,8), Rostock (2,9), Magdeburg (3), Chemnitz und Hagen (je 3,2).

Laut den Thünen-Zahlen gibt es in 6625 der insgesamt 11.379 Gemeinden keine Apotheke. 2132 Kommunen haben eine Apotheke, 892 zwei, 530 drei und 309 vier Apotheken. Mindestens fünf Apotheken gibt es in 891 Gemeinden. Davon hat Schwedt die niedrigste Apothekendichte mit 6108 Einwohnern pro Apotheke. Den Topwert hat Altenkirchen im Westerwald, wo die sechs Apotheken rechnerisch je 1024 Einwohner versorgen.

Extremwerte von 13.000 Einwohnern pro Apotheke weisen drei Gemeinden auf, darunter Schönefeld bei Berlin. Nach dem Aus der Mega-Apotheke hat die Lilienthal-Apotheke übernommen, die allerdings im Gewerbegebiet versteckt am Firmensitz von Haemato liegt. Für die Bewohner des Ortes ist daher fast leichter nach Alt-Glienicke zu fahren. In die Kategorie fallen auch Rosengarten bei Schwäbisch Hall und Hösbach bei Aschaffenburg.

Die kleinsten Gemeinden, die sich noch eine Apotheke leisten, sind Gaugrehweiler im Donnersbergkreis in Rheinland-Pfalz (554), Päwesin zwischen Nauen und Brandenburg (539) und Strüth (288) im Rhein-Lahn-Kreis. Dort führt Apotheker Martin Ruschig die Dorfapotheke zusammen mit seiner Frau und einer PKA. Densborn in der Eifel (532) hat dagegen seit 2012 keine Apotheke mehr.

Auch auf Ebene der Bundesländer gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede: In den drei bevölkerungsstärksten Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg liegt die Apothekendichte zwischen 3660 und 3780. Das Saarland hat als kleinstes Flächenbundesland die höchste Apothekendichte: Hier versorgt jede Apotheke im Durchschnitt nur 2820 Einwohner. Im benachbarten Rheinland-Pfalz sind es 3420, was trotz des Abstandes den zweiten Platz bedeutet. Die niedrigste Apothekendichte haben Sachsen (3960) und Brandenburg (4270).

Dr. Stefan Neumeier vom Thünen-Institut hatte im Rahmen des Projektes „Modellierung der Erreichbarkeit öffentlicher Apotheken“ Apothekenadressen akquiriert und geocodiert und mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) verglichen.

In seiner Datenbank hat Neumeier 21.831 Apotheken. Die ABDA und Landesapothekerverbände hatten dem Thünen-Institut keine entsprechenden Adressdaten geliefert, weshalb es Abweichungen zu den offiziellen Apothekenzahlen gibt. Die angegebene Apothekenzahl pro Gemeinde liegt daher regelmäßig etwas höher als tatsächlich. Auch bei der Geocodierung kann es zu kleineren Unschärfen kommen. Mit dem Material hat das Institut bereits eine größere Auswertung zur Versorgung in ländlichen Gebieten gefahren.

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