Video-Spezial Heimversorgung

Pflegeheime setzen Apotheken unter Druck

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Die Versorgung von Pflegeheimen ändert sich: Die Konkurrenz zwischen Apotheken wächst - vor allem in den Städten. Weil Preiswettbewerb nur eingeschränkt möglich ist, wird bei der Qualität aufgestockt. Die Pflegeheime werden immer anspruchsvoller: Der Bundesverband klinik- und heimversorgender Apotheker (BVKA) beobachtet, dass vor allem große Heime Arzneimittel von Apotheken stellen oder verblistern lassen.

„Zum einen findet man das bei Trägern, die bundesweit überregional aufgestellt sind“, sagt Detlef Steinweg, stellvertretender Vorsitzender des BVKA. In diesen Fällen habe eine Geschäftsführung die Entscheidung getroffen und fordere die Einhaltung von allen Häusern - auch, um ein einheitliches Qualitätsmanagement sicherstellen zu können. „Sie finden das aber auch bei privaten, kirchlichen und städtischen Trägern“, so Steinweg.

Inzwischen stellt nach Schätzungen des BVKA jedes vierte Heim in Deutschland nicht mehr selbst, Tendenz steigend. Nicht immer bieten Apotheken die Dienstleistung von sich aus an, mitunter wird sie von den Heimen eingefordert. „Wenn das Heim Arzneimittel verblistert haben will, steht der Apotheker vor der Wahl: verblistern oder die Heimversorgung aufgeben“, sagt Steinweg. Dann stelle sich die Frage, ob der Apotheker das Verblistern honoriert bekomme.


Egal, ob die Apothekenmitarbeiter die Arzneimittel manuell stellen, selbst verblistern oder ob ein Blisterzentrum beauftragt wird: Es wird teurer. Denn die Dienstleistung wird bislang nicht bezahlt. Damit soll nun Schluss sein: „Nach Auffassung des BVKA ist es absolut unrechtens, wenn das Verblistern kostenlos angeboten wird“, betont Steinweg.

90 Prozent der verblisterten Arzneimittel sind laut Steinweg verschreibungspflichtig. „Es ist eine sehr hochwertige Dienstleistung, die honoriert werden muss und die auch honorierbar ist.“ Derzeit gebe es zwar Apotheken, die ein Honorar erhalten. „Nach unserem Kenntnisstand bekommt aber keine Apotheke in Deutschland derzeit tatsächlich den kompletten Aufwand ersetzt“, so Steinweg.

Derzeit werden laut Steinweg Honorare von ein bis zwei Euro gezahlt. In sehr vielen Fällen werde das Verblistern auch kostenlos angeboten. „Das führt dann dazu, dass Apotheken sich der schwarzen oder auch roten Null vom Ertrag nähern“, sagt Steinweg. „Und das kann nicht Sinn des Verblisterns sein.“

Im Gegensatz zu den Blisterzentren will der Verband erreichen, dass das Medikationsmanagement in der Apotheke gesondert vergütet wird. Einen konkreten Honorarvorschlag macht der BVKA aber nicht. Auch politisch initiativ werden wollen die heimversorgenden Apotheken nicht.

„Der BVKA sieht immer noch den DAV als wirtschaftliche Interessenvertretung der Apotheker an“, betont Steinweg. Der Verband erwarte vom DAV - unterstütze ihn auch gerne dabei -, dass er dieses Mandat auch weiterhin wahrnehme. „Er ist auch geborener Ansprechpartner für die Kassen und wird auch von der Politik so gesehen“, so Steinweg. „Dort wollen wir hilfreich ergänzen, nicht selbst vorpreschen.“

Die Apotheken glauben, dass sich die Kassen aus Angst vor Mehrkosten nicht bewegen. Der DAV wiederum sitze das Thema aus. Der BVKA mahnt aber zur Eile: Ohne eigenen Vergütungsvorschlag steigt den Apothekern zufolge die Gefahr, dass Dritte vorpreschen.

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