Schweinegrippe-Impfung

Impfstoff-Logistik: Hausmeister statt Apotheker

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Nicht alle Bundesländer setzen bei der Distribution des Schweinegrippe-Impfstoffs Pandemrix auf die Unterstützung der Apotheken: Neben Sachsen-Anhalt organisieren auch die Stadtstaaten Bremen und Hamburg die Logistik selbst. Nach offiziellen Angaben laufen die Auseinzelung der Großgebinde und Auslieferung in die Arztpraxen problemlos. Wenn die Lieferung zu lange auf sich warten lässt, holen sich genervte Mediziner den Impfstoff allerdings auch schon mal selbst beim Amt ab.

Überschaubar ist der Aufwand in den beiden Stadtstaaten: In Bremen beliefert die Gesundheitsbehörde die 31 Impfstellen selbst; der Hamburger Senat hat ein Logistikunternehmen mit der Verteilung von Pandemrix an die 36 Impfstellen beauftragt. Die Auseinzelung übernehmen die Senatsmitarbeiter selbst.

Lange verbleibt der Impfstoff nicht in der Hamburger Behörde: „Wir brauchen nicht viel Kühlkapazitäten, da der Großteil des Impfstoffs direkt weitergegeben wird“, sagte ein Senatssprecher gegenüber APOTHEKE ADHOC. „Als Stadtstaat ist man gegenüber einem Flächenland natürlich immer im Vorteil“, bestätigte ein Sprecher der KV Bremen.

Auch in Sachsen-Anhalt kommt man bei der Impfstoffverteilung angeblich gut ohne die Apotheken aus: Zwar gebe es mancherorts Lieferprobleme; an der Logistik liege das allerdings nicht, sagte ein Sprecher des Ministeriums für Gesundheit und Soziales gegenüber APOTHEKE ADHOC: „Die Verteilung über die Gesundheitsämter ist gut organisiert.“

Das Ausfahren des Impfstoffs an die Ärzte übernehmen in Sachsen-Anhalt entweder Mitarbeiter des Gesundheitsamtes oder der Kreisverwaltung, Fahrer der Stadtverwaltung oder der Amtsarzt selbst. Auch Hausmeister kommen mancherorts zum Einsatz. Nicht immer gibt es dafür bereitgestellte Fahrzeuge. Zum Teil müssen die Mitarbeiter auch das Privatauto nutzen. Ein Landkreis hat den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) mit der Verteilung beauftragt hat. Der ASB wird für den Aufwand finanziell entschädigt.

Angesichts der generellen Impfstoff-Knappheit hält Dr. Eike Hennig, Leiter des Gesundheitsamtes Magedburg, die Logistik unter Ausschluss der Apotheken für vorteilhaft. So könne sichergestellt werden, dass sich nicht einige Ärzte bei Apotheken unverhältnismäßig bevorraten, sondern alle Mediziner einigermaßen gleichmäßig beliefert würden. „Bei Impfstoffmangel wäre die Apothekenlösung schlechter“, so Hennig.

Eine These, die durch die Realität vor Ort mitunter infrage gestellt wird: Weil die Auslieferung einige Tage dauern kann, besorgen sich offenbar manche Ärzte den Impfstoff persönlich in den Gesundheitsämtern. Eine Ärztin aus Halle berichtete gegenüber APOTHEKE ADHOC, dass sie am vergangenen Montag die georderte Menge in der Behörde abgeholt hat, weil ihr die Lieferung erst für Mittwoch oder Donnerstag zugesagt worden war. „Dadurch können wir überhaupt nicht planen und Patienten vorbestellen“, so die Ärztin.

In den Gesundheitsämtern geht die Zusatzbelastung an den Mitarbeitern und den Amtsärzten nicht spurlos vorbei: „Die Verteilung ist ein Riesenaufwand und hat mich einige schlaflose Nächte gekostet“, so ein zuständiger Amtsarzt gegenüber APOTHEKE ADHOC. „Wir konnten uns aber nicht dagegen wehren.“

Zusätzliche Arbeitskräfte scheinen nur wenige Gesundheitsämter aufzubieten. Meist sind zwei bis drei Mitarbeiter der Behörde mit der Umverpackung, Etikettierung, Auslieferung an die Ärzte und Dokumentation beschäftigt. Die Kühlkette scheint kein Problem für die Behörden: „Für 2000 gelieferte Dosen pro Woche reicht der hier vorhandene Kühlschrank aus“, so ein Amtsarzt.

Medienberichte, wonach im Gesundheitsamt Magdeburg große Mengen von Pandemrix verdorben sein sollen, dementierte Hennig. „In Magdeburg ist nicht eine einzige Dosis verdorben.“ Durch einen Stromausfall im Gesundheitsamt sei es jedoch bei 2000 Dosen zu einem „kurzfristigen Kühlungsproblem“ gekommen. Nach einer Prüfung des Temperaturverlaufs durch den Hersteller seien die zunächst gesperrten Impfdosen freigegeben und mit einem Tag Verspätung an die Ärzte ausgeliefert worden.

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