Duisburg

Apotheker runden auf

, Uhr
Berlin -

Die Apotheken des Verbands Duisburg/Niederrhein sammeln ab morgen Geld für die Straßenambulanz. Unter dem Motto „Aufrunden – Ihr Wechselgeld für einen guten Zweck” können Apothekenkunden noch bis Jahresende für die ehrenamtliche medizinische Versorgung von sozial Ausgegrenzte spenden.

Ein Professor, drei Ärzte und drei Krankenschwestern fahren seit 2008 mit einem zum Behandlungszimmer ausgebauten Lastwagen zu Brennpunkten in der Region. An zwei Tagen pro Woche bieten sie dort Sprechstunden für Menschen an, die keine Krankenversicherung haben oder Arztpraxen und Krankenhäuser aus anderen Gründen meiden. Die Ambulanz wird vom Verein „Bürger für Bürger Duisburg“ getragen.

Der Apothekerverband habe über den stellvertretenden Vorsitzenden, Dr. Christoph Hermann, Kontakt zur Straßenambulanz, berichtet Michael Becker, Inhaber der Kronen-Apotheke in Dinslaken. Hermann sei gefragt worden, ob seine Apotheke Verbandsstoffe oder OTC-Medikamente spenden könne. „Wir haben daraufhin im Verband überlegt, wie wir Apotheker dieses Projekt unterstützen können“, sagt Becker.

Daraus entstand die Idee zu einer Spendenaktion, die der Vorstand den Apothekeninhabern im Verband persönlich vorgestellt hat. Die Resonanz der Kollegen war sehr positiv: In 170 Apotheken stehen ab morgen – passend zu Sankt Martin – bis zum Jahresende Spendendosen. In diese können Kunden nach dem Einkauf ihr Wechselgeld geben. Ein Plakat in den Apotheken weist auf die Aktion hin.

„Wenn in jeder Apotheke 100 Euro zusammenkommen, dann würden wir insgesamt bei 17.000 Euro landen“, rechnet Becker vor. Wenn nur halb so viel von den Kunden gespendet würde, werde der Verein selbst aufrunden – auf insgesamt 10.000 Euro. „Wir wollen einen ordentlichen Betrag für das Projekt spenden“, erklärt er.

Die Straßenambulanz behandelt nicht nur in Duisburg, sondern auch in Neukirchen-Vluyn und Moers. Zu ihren Patienten gehören Obdachlose, Drogensüchtige und Prostituierte. Zwischen 20 und 30 Personen behandeln sie pro Einsatztag, berichtet der medizinische Leiter der Straßenambulanz, Dr. Gerd Heimann. „Wir haben einen festen Fahrplan, nach dem wir unsere Treffpunkte anfahren und haben dort gewissermaßen Stammpatienten“, berichtet er.

Weil die Straßenambulanz in unterschiedlicher Besatzung unterwegs ist, nennen die Patienten ihre Namen, damit die Behandelnden die einzelnen Fälle im Überblick behalten können. „Die Menschen haben großes Vertrauen zu uns, da wir ehrenamtlich arbeiten und nicht von einer Krankenversicherung abhängig sind“, sagt Heimann.

Die Helfer sind trotzdem auf Spenden angewiesen, um Ausstattung und Instandhaltung der Ambulanz zu finanzieren. Im Jahr habe die Ambulanz Gesamtkosten in Höhe von etwa 12.500 Euro zu stemmen, schätzt Heimann. „Auf die Patienten umgerechnet sind das etwa 35 Euro pro Jahr, also recht wenig“, sagt er.

Von Großhändlern erhielten sie etwa Verbandsmaterial als Spenden. „In der Anfangszeit haben wir auch private Arzneimittel angenommen, doch deren Qualität war zu unterschiedlich“, berichtet Heimann. Seither kaufe das Team alle Medikamente selbst ein. „Wir haben vor allem Schmerzmittel, Antibiotika und Magen-Darm-Präparate an Bord“, zählt Heimann auf. In der Erkältungszeit kämen noch Medikamente für die Atemwege und Schleimlöser hinzu. „Opiate und Schlafmittel geben wir nicht ab; das wissen unsere Patienten auch“, ergänzt er.

Auch wenn es anfangs geplant war, versucht die Ambulanz mittlerweile nicht mehr, Drogenabhängigen aus der Sucht zu helfen. „Viele hatten es schon zuvor mit einem Entzug versucht. Wir konnten einfach zu wenigen helfen“, sagt Heimann. Die Arbeit der Helfer konzentriert daher auf die Behandlung von Begleiterkrankungen des Drogenkonsums.

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