Modellprojekt

Apotheker-Hausbesuch bei Diabetikern

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Können Ärzte und Apotheker gemeinsam die Arzneimitteltherapie von insulinpflichtigen Diabetikern verbessern? Diese Frage beschäftigte einen Apotheker aus Krefeld; er stellte in Eigenregie ein Modellprojekt auf die Beine, für das er sieben Ärzte und einige seiner Kunden gewinnen konnte. Nach einem halben Jahr intensiver Betreuung traten bei den Diabetikern weniger häufig Unterzuckerungen auf.

Manfred Krüger, Inhaber der Linner-Apotheke, besuchte die Patienten zweimal im Abstand von sechs Monaten zu Hause, analysierte gemeinsam mit ihnen die Hausapotheke und besprach die Einnahme der Medikamente. Gemeinsam mit dem Arzt wurden dann die Medikation und das weitere Vorgehen für jeden einzelnen Patienten besprochen.

Jeden fünften Diabetiker schickte Krüger wegen schwerwiegender Probleme bei der Arzneimitteleinnahme bereits nach dem ersten Besuch zum Arzt. Beim ersten Termin klagten fast sechs von zehn Patienten über Hypoglykämien, beim zweiten Mal waren es nur noch vier von zehn.

Der Apotheker besprach bei den Besuchen auch die richtige Anwendung der Insuline sowie die Handhabung der Pens. Zu Beginn gaben laut Krüger 45 Prozent an, die Nadel des Pens einmal täglich zu wechseln, alle anderen tauschten seltener. Nach einem halben Jahr hatten sich immerhin 65 Prozent den täglichen Ersatz der Nadeln zu eigen gemacht.

An Krügers Projekt nahmen sechs Hausärzte und ein Facharzt sowie 47 Diabetiker mit einem Durchschnittsalter von 72 Jahren teil. Nur ein Patient war Typ-1-Diabetiker, alle anderen hatten insulinpflichtigen Diabetes mellitus Typ 2. Im Schnitt nahmen die multimorbiden Probanden regelmäßig neun verschiedene Medikamente ein.

Angelehnt an Konzepte aus Australien und Großbritannien bewerkstelligte der Apotheker das Projekt mehr oder weniger im Alleingang - von der Überzeugung der Ärzte, der Rekrutierung der Teilnehmer bis zur Erstellung von Interview- und Medikationsbögen. Auch die Kosten stemmte Krüger größtenteils alleine. Pro Patient kalkulierte er mit 285 Euro innerhalb eines halben Jahres, 85 Prozent zahlte die Apotheke.

Zwar seien die Ergebnisse nicht repräsentativ, so Krüger gegenüber APOTHEKE ADHOC. Ziel der Machbarkeitsstudie sei es aber gewesen, den Einfluss einer intensiven Kooperation zwischen Ärzten und Apothekern auf die Arzneimitteltherapie bei multimorbiden Patienten generell zu testen.

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