Clopidogrel

Apotheken droht Retaxation Désirée Kietzmann, 14.08.2008 13:20 Uhr

Berlin -

Nachdem die Generikaunternehmen Ratiopharm und Hexal Anfang August Clopidogrel-haltige Präparate auf den Markt gebracht haben, stellt sich für den Apotheker nun bei der Verordnung des Thrombozytenaggregationshemmers die Frage, ob er substituieren muss oder nicht. Während die Originalhersteller Sanofi Aventis (Plavix) und Bristol-Myers Squibb (Iscover) die Rechtmäßigkeit der Zulassung weiterhin anzweifeln, pochen die Krankenkassen auf die Einhaltung des Rahmenvertrags. „Ein Verstoß dürfte eine Retaxation nach sich ziehen“, sagte eine Sprecherin des AOK-Bundesverbands gegenüber APOTHEKE ADHOC.

Die Einordnung der Alternativpräparate ist nach wie vor umstritten: Sie enthalten mit Clopidogrelbesilat eine andere Salzform als die Originalpräparate (Clopidogrelhydrogensulfat) und sind nur für ein eingeschränktes Indikationsgebiet zugelassen. Plavix und Iscover sind im Gegensatz zu den neuen Produkten nicht nur für Patienten mit Herzinfarkt, sondern auch bei akutem Koronarsyndrom indiziert. Wenn der Arzt ein Originalpräparat verordnet, darf der Apotheker laut Deutschem Apothekerverband (DAV) nicht substituieren, da die Präparate nicht für den gleichen Indikationsbereich zugelassen sind. Laut Rahmenvertrag nach Paragraph 129 Sozialgesetzbuch-V dürfen Apotheker wirkstoffgleiche Arzneimittel nur dann austauschen, wenn neben Packungsgröße und Wirkstärke auch der Indikationsbereich identisch ist.

Schwieriger stellt sich die Lage dar, wenn nur der Wirkstoff auf dem Rezept steht. Nach Rahmenvertrag gelten auch unterschiedliche Salzformen als wirkstoffgleich, wenn sich ihre Eigenschaften hinsichtlich der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nicht erheblich voneinander unterscheiden. Ob dies so ist, sei noch nicht abschließend geklärt, so der DAV in einer Stellungnahme. Die Originalhersteller fordern den Nachweis der therapeutischen Äquivalenz, da die vorliegenden Bioäquivalenzstudien mit dem Prodrug Clopidogrel ihrer Ansicht nach die Wirksamkeit und Sicherheit nicht belegen könnten. Die Drittwiderspruchsklage der Unternehmen ist nach wie vor beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) anhängig.

Die Krankenkassen berufen sich hingegen auf das Wirtschaftlichkeitsgebot: „Wenn Clopidogrel verordnet wird, ist entsprechend dem Rahmenvertrag das Arzneimittel mit bestehendem Rabattvertrag abzugeben“, so die AOK-Sprecherin. Da viele Krankenkassen Verträge über das gesamte Portfolio eines Herstellers geschlossen haben, die auch neue Produkte mit einschließen, könnte dieser Fall also bereits zutreffen. Ansonsten sei eines der drei preisgünstigsten Arzneimittel auszuwählen. Die fälschliche Abgabe des Originals könnte die Apotheke angesichts eines Preises von rund 76 Euro (28 Tabletten) beziehungsweise 250 Euro (100 Tabletten) teuer zu stehen kommen.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Markt

eRezept-Projekt

Teleclinic schießt gegen Kry und DocMorris»

Pharmadienstleister

Sartorius kauft in Israel»

Apotheken-Apps

Phoenix klebt Plakate für „Deine Apotheke“»
Politik

Intensivpflege

Nach Protesten: Spahn ändert Reformpläne»

Registrierkassengesetz

Papierindustrie gibt Entwarnung: Kein Extra-Mülleimer für Bons»

Westfalen-Lippe

Erschreckende Bilanz: 100 Schließungen in zwei Jahren»
Internationales

Lohnhersteller

Rentschler: Pleite in Österreich»

Streit um Apothekerpreise

Ramschpreis für EllaOne: Apotheken unter Beschuss»

Alexa macht jetzt Medikationsmanagement

Amazon kooperiert mit Omnicell und Apothekenkette»
Pharmazie

Lungenkrebs

Weitere US-Zulassung für Tecentriq»

Neurodegenerative Erkrankungen

Parkinson: Proteinablagerungen als Therapieansatz?»

Rückruf

Fagron: Colistinsulfat und Chloramphenicol müssen zurück»
Panorama

Nikolaus-Aktion

400 Stiefel im Abholerregal»

Auszeichnung für Svenja Lücke

Amtlich: Stifts-Apotheke hat die beste PKA»

Umstrittenes Experiment

Gen-Babys: Manuskripte werfen Zweifel auf»
Apothekenpraxis

Positionspapier gegen Lieferengpässe

Bestandsabfrage für Apothekenkunden»

Verunreinigung

Metformin: Kommt das NDMA aus dem Blister?»

Verunreinigungen

NDMA: Jetzt auch Metformin betroffen»
PTA Live

Spendenaktion

Metalheads and Pets: PTA engagiert sich fürs Tierheim»

PTA-Preis

Avie prämiert „die stillen Helden in der Apotheke“»

Wundversorgung

Fünf Tipps zur Pflasterauswahl»
Erkältungs-Tipps

Halsentzündungen

Seitenstrangangina: Selten aber schmerzhaft»

Erkältungs-Tipps

Anatomische Erkältungsreise – Lunge und Bronchien»

Lästige Begleiterscheinung

Schnarchen durch Erkältung»
Magen-Darm & Co.

Funktionelle Magen-Darm-Beschwerden

Reizmagen: Vielseitiger Symptomkomplex»

Magen-Darm-Beschwerden bei Kindern

Dreimonatskoliken: Schreiattacken mit unklarer Ursache»

Pro-, Prä-und Synbiotika

Nahrung für die Darmflora»
Kinderwunsch & Stillzeit

Tabuthema Pilzinfektionen

Vaginalpilz in der Schwangerschaft»

Wochenbettdepression

Vom Tief nach der Geburt»

Behördengänge

Geburtsurkunde, Krankenkasse & Co. – An alles gedacht?»