Sonderrezepte

Faktencheck: BG-Rezept APOTHEKE ADHOC, 07.02.2020 14:48 Uhr

Berlin - Ein besonderes Rezept im Apothekenalltag stellt das BG-Rezept dar: Zunächst sieht es aus wie ein normales Muster-16-Formular – bei der Belieferung gibt es jedoch einige zusätzliche Aspekte zu beachten. Ein solches Rezept wird immer dann ausgestellt, wenn es im Betrieb oder auf dem Arbeitsweg zu einem Unfall kommt. Die Kosten übernimmt die gesetzliche Unfallkasse statt der Krankenkasse. Je nach Arbeitsfeld springen die dazugehörigen Berufsgenossenschaften (BG) ein.

Was darf verordnet und beliefert werden?

Apotheken dürfen sowohl verschreibungs- als auch apothekenpflichtige Präparate zu Lasten der BG liefern. Auch freiverkäufliche Artikel, Verband- und Hilfsmittel, sowie apothekenübliche Waren, zu denen auch Körperpflegemittel und Medizinprodukte gehören, werden von der BG erstattet. Vorsicht ist jedoch bei der Abgabe von Hilfsmitteln geboten: Diese dürfen nur nach entsprechender Präqualifizierung beliefert werden. Die Verordnung erfolgt entsprechend §1 des Arzneiliefervertrags der Berufsgenossenschaften: „Dieser Vertrag regelt die Sicherstellung der Versorgung gemäß § 27 Absatz 1 Nr. 4 SGB VII der in der gesetzlichen Unfallversicherung Versicherten [...] mit a. Arzneimitteln, b. Verbandmitteln sowie c. Medizinprodukten und sonstigen apothekenüblichen Waren (§ 1a Absatz 10 Apothekenbetriebsordnung) einschließlich Hilfsmitteln“.

Wie sieht es mit der Zuzahlung aus?

Die gesetzliche Zuzahlung muss bei einem BG-Rezept nicht geleistet werden. Anders sieht es mit Festbetragsdifferenzen aus: Wird der Festbetrag eines Präparates überschritten, müssen die Mehrkosten vom Patienten selbst gezahlt werden. Diese Aufzahlung kann jedoch nach § 5 Arzneiliefervertrag der BG auch entfallen. Im Vertrag heißt es: „Dies gilt nicht, wenn der Arzt auf dem Verordnungsblatt auf die medizinische Notwendigkeit des teureren Mittels hinweist; in diesem Fall ist dem Unfallversicherungsträger ungeachtet der Festbetragsregelung nach §§ 29 und 31 SGB VII der Apothekenabgabepreis in Rechnung zu stellen. Als Hinweis auf die medizinische Notwendigkeit ist beispielsweise das Setzen des Aut-idem-Kreuzes zu werten.“

Muss auf Rabattvertäge geachtet werden?

Die Deutsche gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gehört nicht zur GKV – die Verordnungseinschränkungen der gesetzlichen Krankenkasse sind nicht relevant. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswahl sind die Regelungen des Rahmenvertrages zu beachten. Apotheken dürfen eines der vier preisgünstigsten Präparate nach § 129 Sozialgesetzbuch (SGB V) und § 4 Rahmenvertrag abgeben. Geregelt ist dies im Arzneiversorgungsvertrag § 4 zwischen der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung und der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau als Landwirtschaftliche BG einerseits und dem Deutschen Apothekerverband. Die BG haben jedoch vorgesorgt – sollten irgendwann Rabattverträge geschlossen werden, greift eine Fußnote in § 4 Arzneiversorgungsvertrag.

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