CDU-Staatsminister

Von Klaeden und der Brief des Apothekers

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Einmal „denen da oben“ zeigen, welches Chaos das AMNOG in der Apotheke anrichtet. Diesen Wunsch hatte ein Apotheker aus Niedersachsen. Er lud den CDU-Bundestagsabgeordneten seines Wahlkreises zu sich in die Offizin ein - keinen Geringeren als Eckart von Klaeden, Staatsminister bei der Bundeskanzlerin. Der Briefwechsel des Apothekers mit dem Spitzenpolitiker offenbart ein tiefes Missverständnis zwischen den Berufsständen.

Über die wirtschaftlichen Folgen des AMNOG will sich der Apotheker in seinem ersten Brief an von Klaeden ausdrücklich nicht beschweren. Auch nicht über die unbezahlte Mehrarbeit. Was ihn ärgert, ist die aus seiner Sicht unzureichende Vorbereitung des Gesetzes. Er bittet von Klaeden, den Versicherten einen Tag lang persönlich zu erklären, was die Politik im Arzneimittelbereich geändert hat und warum. Denn dazu sei sein Team in der Apotheke trotz modernster Ausstattung nicht mehr in der Lage. „Vielleicht können Sie es ja“, schrieb der Apotheker.

Von Klaeden antwortete. Er bittet um Nachsicht, dass er die Einladung nicht annehme. Dass die Softwarehäuser möglicherweise nur kurze Zeit zur Umsetzung hatten, möge bedauerlich sein. Üblicherweise würden die Firmen aber von den Berufsverbänden frühzeitig von beabsichtigten Gesetzesvorhaben unterrichtet. „Allerdings hat sich die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in diesem Gesetzgebungsverfahren ausschließlich darauf konzentriert, das unerwünschte Gesetz, mit dem auch die Apotheken zur Konsolidierung und Stabilisierung des Gesundheitswesens herangezogen werden mussten, zu verhindern oder zumindest zu verzögern“, so von Klaeden.

Dass der Apotheker von „unbezahlter Arbeit“ spricht, kann der CDU-Politiker nicht verstehen: „Ich habe den besonderen Schutz, den Ihr Berufsstand genießt, immer mit den besonderen Anforderungen gegen Kritiker verteidigt und mit dem besonderen Vertrauen, das Ihnen Ihre Kunden entgegenbringen. Ich hoffe, recht in der Annahme zu gehen, dass sich das nicht ändern soll“, so von Klaeden abschließend.

Als der Apotheker am nächsten Morgen ein Wahlplakat der CDU mit dem Slogan „Zuhören, Nachfragen, Mitmachen“ sieht, platzt ihm der Kragen: „Diese Zeit scheint bei Ihnen leider lange zurückzuliegen“, schreibt er in einem zweiten Brief an von Klaeden. Und weiter: „Für mich ist es enttäuschend, wenn Sie alle 'Schuld' an Umsetzungsproblemen von sich weisen, diese anderen zuschieben wollen wie den Softwarehäusern und der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.“ Von dem Gesetzgeber müsse man erwarten können, verständliche Gesetze zu verabschieden. Das sei aber offensichtlich nicht der Fall.

Eigentlich wollte der Apotheker bei der nächsten Lokalwahl für die CDU kandidieren. Nach dem Briefwechsel mit von Klaeden hat er Zweifel: „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er wirklich in die Apotheke kommt. Aber so abgebügelt zu werden, finde ich nicht in Ordnung“, sagte er gegenüber APOTHEKE ADHOC. „Wenn Politik so gemacht wird, wie ich das im Moment erlebe, dann ist das nicht mein Stil.“

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