Zum Jahreswechsel erreignete sich in der Schweiz eine der schwersten Brandkatastrophen in der Geschichte des Landes. Überlebende kämpfen mit großflächigen Verletzungen der Haut und müssen mit langen Heilungsprozessen rechnen. Die Fischhaut-Technologie soll Schmerzen lindern und die Wundheilung beschleunigen. Für die Brandopfer wird auch die Haut des nordatlantischen Kabeljaus eingesetzt.
Brandopfer, die großflächige Verbrennungen erlitten haben, schweben häufig in Lebensgefahr. Denn: Der Verlust der Hautbarriere führt zu akutem Flüssigkeitsmangel, massivem Wärmeverlust und birgt eine hohe Infektionsgefahr. Es kann zu einem sogenannten Verbrennungsschock kommen. Umso wichtiger ist es, den Hautverlust zügig auszugleichen.
Die Funktionsweise der Fischhaut-Technologie macht sich die biologische Ähnlichkeit zwischen der Haut des nordatlantischen Kabeljaus und der menschlichen Haut zu Nutze. Sobald die vorher speziell aufbereitete Fischhaut auf die Brandwunde aufgelegt wird, fungiert sie als biologisches Gerüst:
Die Fischhaut ist von Natur aus extrem reich an Omega-3-EPA- und DHA-Fettsäuren. Diese Stoffe wirken direkt in der Wunde entzündungshemmend. Zudem erschweren die Fettsäuren den Bakterien, einen Biofilm zu bilden. Das wiederum senkt das Infektionsrisiko – die größte Gefahr für Brandopfer – massiv.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Schmerzlinderung. Klinische Beobachtungen zeigen, dass Patienten unter Fischhaut-Verbänden oft weniger Schmerzmittel benötigen, da die Wunde feucht gehalten und die Nervenenden geschützt werden. Betroffenen profitieren durch den Fischhaut-Einsatz auch von einer geringeren Narbenbildung.
Bei Verbrennungen zweiten Grades kann die Fischhaut oft eine vollständige Heilung bewirken, da sie die Regeneration der Oberhaut (Epidermis) optimal unterstützt. Bei drittgradigen Verbrennungen dient sie als temporärer Schutz und „Vorbereitung“ des Wundgrundes. Sie verbessert die Durchblutung so weit, dass spätere Eigenhauttransplantate deutlich besser anwachsen.
Damit der menschliche Körper das fremde Gewebe nicht abstößt, muss die Fischhaut speziell vorbereitet werden. Dazu werden in einem patentierten Verfahren alle Fischzellen und potenziell allergenen Proteine entfernt. Übrig bleibt nur das Kollagengerüst; sprich die extrazelluläre Matrix.
Klarer Vorteil: Im Gegensatz zu Präparaten von Schweinen oder Rindern muss Fischhaut nicht chemisch „vernetzt“ oder stark erhitzt werden, um Viren abzutöten. Denn Fischviren können nicht auf Menschen übertragen werden. Dadurch bleibt die poröse, natürliche Struktur der Haut vollkommen intakt.