Die baden-württembergische Landesstelle für Suchtfragen schlägt Alarm: Immer mehr Menschen im Südwesten im Land sind von synthetischen Opioiden, wie Fentanyl oder Methadon, abhängig. Die Landesstelle beklagt auch die hohe Zahl an Drogentoten, die Lage werde durch die synthetischen Substanzen verschärft. Den Suchtberatungsstellen fehlten jedoch die Instrumente, um dagegen anzukommen. Besonders besorgniserregend sei der wachsende Anteil von Jugendlichen und jungen Erwachsenen – unter dem Abhängigen sowie den Toten. Bundesweit seien 2024 14 Prozent der Drogentoten unter 30 Jahre alt gewesen. Synthetischen Substanzen würden diese Situation verschärfen und könnten mitunter einfach über das Internet bestellt werden.
Auf einer Pressekonferenz in Stuttgart verlangte die Landesstelle für Suchtfragen deshalb eine vorausschauende Drogenpolitik und beanstandete fehlende Instrumente der Suchthilfe. Es seien etwa Naloxon-Nasensprays nicht ausreichend verfügbar, die bei einer Überdosis Leben retten können. Weiter gebe es zu wenige Drogenkonsumräume und Substitutionsärzte – insbesondere im ländlichen Raum.
Auch ein landesweites Monitoring- und Frühwarnsystem, um schnell zu erkennen, wenn neue psychoaktive oder synthetische Substanzen im Umlauf sind, gebe es nicht. Bei den im Labor hergestellten Drogen reiche eine kleine Veränderung der chemischen Struktur und schon gebe es eine neue Droge. Pro Jahr kommen laut dem Leiter der Substitutionsambulanz Karlsruhe, Dr. Christoph Stoll, etwa 50 solcher neuen psychoaktiven Substanzen auf den Markt.
Maßnahmen wie Drug-Checking könnten ebenfalls helfen, neue Gefahren frühzeitig zu erkennen. Dabei können Drogenkonsumenten ihre Drogen in anerkannten Beratungsstellen prüfen lassen, damit sie keine verunreinigten oder potenziell tödlichen Stoffe zu sich nehmen. Eine Möglichkeit, seine Drogen in Baden-Württemberg legal zu testen, gibt es bislang nicht.
2025 gab es laut Kriminalitätsstatistik in Baden-Württemberg 191 Drogentote. Im Jahr zuvor waren es ähnlich viele Tote gewesen. Immer häufiger seien junge Erwachsene unter den Toten. Mischkonsum sei dabei die häufigste Todesursache. Unter den Toten durch Mischkonsum waren dabei auch 15 Heranwachsende und 2 Jugendliche, erklärte ein Sprecher der Landesstelle.
Der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle wurden seit 2009 88 neue Opioid-Varianten gemeldet. Und ständig kommen neue dazu, denn die Stoffe sind im Labor schnell, leicht und billig herzustellen. Schon kleine chemische Veränderungen reichen, um eine neue Substanz zu erhalten. Konsumiert werden diese dann in Form von Pulver, Tabletten, Spritzen, als Pflaster, als Spray oder Liquid für elektronische Verdampfer.
Ein unkontrollierter Konsum kann dabei schnell zur unkalkulierbaren Gefahr werden. Denn Konsument:innen wissen in der Regel wenig über die Zusammensetzung. Das Problem: Eine Überdosierung mit Fentanyl kann zu einer Atemlähmung und somit zum Tod führen.
Drogenhilfeeinrichtungen beobachten zudem mit Sorge, dass synthetischen Opioiden zudem vermehrt Heroin beigemischt werde. Die Ursache liege in Afghanistan, erklärt Gesundheitsdezernentin Elke Voitl (Grüne): Weil dort weniger Schlafmohn angebaut werde, werde Heroin auf dem Weltmarkt knapp. „Diese Lücke wird durch synthetische Opioide geschlossen.“
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