Wechsel in der zweiten Jahreshälfte

PoPP: CardLink-Nachfolger auf der Zielgeraden

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Berlin -

Das Cardlink-Verfahren, für das sich im Zuge des E-Rezeptes die Versender eingesetzt hatten, wird noch in diesem Jahr abgelöst. Dafür ist man nun bei der Gematik einen Schritt weiter: Die Gesellschafter hätten der Veröffentlichung der Spezifikation für die erste Umsetzungsstufe von PoPP (Proof of Patient Presence) zugestimmt, heißt es. „Damit geht die erste Umsetzungsstufe in die entscheidende Phase.“ Die Gematik verspricht sich durch PoPP auch mehr Betriebsstabilität beim E-Rezept.

CardLink basiert auf dem Prüfungsnachweis VSDM++ („Versichertenstammdatenmanagement“). Hierfür nutzen die Versicherten ihre elektronische Gesundheitskarte (eGK), um beispielsweise Versendern Zugriff auf ausgestellte E-Rezepte zu geben. Aber auch in der Heimversorgung kommt das Verfahren zum Einsatz und auch Angebote für Apotheken vor Ort sind inzwischen etabliert.

Demnächst soll PoPP den digitalen und ortsungebundenen Nachweis dafür liefern, dass sich Patient:innen im Behandlungskontext befinden. Laut Gematik tragen die Eigenschaften dieser Variante dazu bei, die Betriebsstabilität der Telematikinfrastruktur (TI) weiter zu stärken. Kommen soll das neue Verfahren Ende 2026 zudem für telemedizinische Behandlungen. „Dies umfasst die Nutzung der eGK mittels Smartphone von Patient:innen in der Fernversorgung sowie die GesundheitsID als alternativen Versicherungsnachweis.“ Zusammen mit VSDM 2.0 soll „eine flexiblere und sicherere Nutzung der Telematikinfrastruktur“ kommen. „Beide Systeme reduzieren technische Hürden, sparen Zeit und machen die digitale Gesundheitsversorgung effizienter.“

Die Gematik erklärt das neue „VSDM 2.0“ wie folgt: Versichertendaten werden nicht mehr von der eGK gelesen, sondern direkt bei der Kasse abgefragt. „Medizinische Einrichtungen können die Daten mit ihrem Primärsystem abrufen – ohne Konnektor und Kartenterminal. Das ist besonders nützlich für mobile Einsätze, denn die Daten können dann auch von unterwegs aus abgerufen werden.“ Für Patient:innen bleibe jedoch nach außen alles beim Alten: „Sie können sich weiterhin mit ihrer eGK oder GesundheitsID authentisieren.“

Die Grünen interessierten sich ebenfalls für das neue Verfahren und fragten Ende des vergangenen Jahres bei der Bundesregierung nach, wann es ausgerollt werden soll, „um den Identitätsnachweis ortsunabhängig zu ermöglichen und die Nutzung von digitalen Gesundheitsdienstleitungen zu erleichtern, insbesondere in mobilen Behandlungsszenarien“. Laut Bundesregierung soll der Rollout in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 2026 starten. „Mobile Einsatzszenarien sollen im Jahr 2027 von dieser technischen Umstellung profitieren.“

Versender freuen sich auf nahtlosen Übergang

Bei den Versendern bringt die Aussicht auf das neue Verfahren einige Dinge ins Rollen. So teilte Redcare kürzlich mit: „In ihrer aktuellen Entwurfsfassung bestätigen die PoPP-Spezifikationen die Fortführung eines reibungslosen und niedrigschwelligen digitalen Prozesses zur E-Rezept-Einlösung mittels der Shop-Apotheke-App von Redcare Pharmacy in Deutschland.“

CEO Olaf Heinrich kommentierte dies positiv, man freue sich über „eine nahtlose und kundenorientierte digitale Abwicklung der Einlösung von E-Rezepten“. Das Verfahren ohne Pin und SMS zur Verifizierung der Telefonnummer erleichtert den Versendern die Abläufe. „In Kombination mit der zusätzlichen Option, eine digitale ID zu verwenden, sorgt dies für Stabilität, mehr Flexibilität und ermöglicht zudem die Einführung weiterer digitaler Lösungen.“

Mit der nun veröffentlichten Spezifikation könne Redcare die technische Umsetzung innerhalb der eigenen App abschließen und erforderliche behördliche Genehmigungen einholen. Bis zum 31. Januar 2027 habe aber auch noch die aktuelle CardLink-Lösung des Versenders Gültigkeit. „Damit bleibt ausreichend Zeit für einen reibungslosen und gut organisierten Übergang.“

Auch DocMorris-Chef Walter Hess begrüßte den Entwurf: „Ich bin zuversichtlich, dass Patientinnen und Patienten in ganz Deutschland damit weiterhin ihre E-Rezepte auf benutzerfreundliche und niederschwellige Weise einlösen können. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass die ihnen vertrauten Einlösungswege für ihre elektronischen Rezepte dauerhaft bestehen bleiben. Nur so wird die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen breite Akzeptanz finden.“

Lösungen für alle stehen bereit

Die Umsetzung einer PoPP-Lösung bietet beispielsweise die Firma Service.health mit ihrer Open-Source-Implementierung von PoPP ohne Lizenzgebühren. „Organisationen im Gesundheitswesen erhalten damit eine herstellerunabhängige, interoperable Alternative, die sich an den Vorgaben der Gematik orientiert und auf Skalierbarkeit sowie regulatorische Nachhaltigkeit ausgelegt ist“, heißt es dazu vom Berliner Unternehmen. Hier rechnet man mit einer CardLink-Ablösung durch PoPP zum 30. Juni.

„Mit PoPP schaffen wir die Grundlage für echte mobile Anwendbarkeit im E-Rezept-Ökosystem. Die Plattform ermöglicht sichere, standardkonforme Prozesse ohne Abhängigkeit von proprietären Architekturen und macht digitale Gesundheitsanwendungen dort nutzbar, wo Versorgung heute stattfindet: mobil“, so CEO Manuel Blechschmidt. Service.health richte sich hiermit an Plattformbetreiber und Hersteller, aber auch an Leistungserbringer und Institutionen.

Auch bei Gesund.de hat man sich bereits mit einer PoPP-Umsetzung beschäftigt.

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